Die Stimme erheben für die "am meisten beachtete" stille Katastrophe 2012

Ende Oktober 2012 zog Hurrikan Sandy eine Spur der Verwüstung durch die Karibik bevor er die Ostküste der USA erreichte. Bei dem Sturm kamen hunderte Menschen ums Leben, und in Kuba, in der Dominikanischen Republik, Haiti, Jamaika und auf den Bahamas wurden Häuser, Bauernhöfe und Existenzen zerstört. Der Wiederaufbau wird wahrscheinlich Milliarden kosten.

Helfen Sie uns mit einer Spende!

Jede noch so kleine Spende hilft dem DRK bei der Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen.

Hurrikan Sandy ist ein perfektes Beispiel dafür, dass eine Katastrophe zwar von den Medien der ganzen Welt beachtet werden kann, und gleichzeitig eine stille Katastrophe sein kann. In New York und New Jersey drängten sich Kamerateams, Konzerte mit Starbesetzung wurden organisiert und Artikel über Triumphe und Tragödien bei der US-Katastrophenhilfe geschrieben. Dabei blieben die fünf Länder, die in der Karibik von dem Sturm betroffen waren, größtenteils unbeachtet.

Ein Forschungsprojekt der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) und des Amts für humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (ECHO) untersuchte die Medienreaktion auf Hurrikan Sandy in den USA und verglich diese mit der Berichterstattung zu den Auswirkungen des Sturms in der Karibik und mit den anderen stillen Katastrophen, über die wir in den letzten vier Wochen berichteten.

Die Ergebnisse waren alarmierend.

Nach der Analyse von 700.000 Artikeln und über 7 Millionen Tweets in 200 Ländern und Territorien kam heraus, dass Berichte über Sandy in den USA fast 90 Prozent der Berichterstattung über ‚stille Katastrophen‘ ausmachten. Als nächstes in der Hierarchie der internationalen Medien kam Sandys Spur in der Karibik, die 6,76 Prozent der Aufmerksamkeit erhielt, und dann folgten die anderen 11 Katastrophen, sie machten 3,83 Prozent aus.

Das sind nicht nur theoretische Betrachtungen. Das Medienprofil einer Katastrophe hat deutliche Auswirkungen auf das Maß an Unterstützung durch institutionelle und individuelle Geldgeber. Bei den Spendenbemühungen für die Katastrophe in New York kamen in wenigen Tagen über 40 Millionen US Dollar zusammen, die Aufrufe für bescheidene Dinge wie Notunterkünfte, Hygiene, Cholera-Prävention und andere lebenswichtige Maßnahmen für über 230.000 Menschen in der Karibik haben noch nicht einmal 50 Prozent des angepeilten Betrags erreicht.

Der Nothilfefonds (DREF) der IFRC ist dazu da, unmittelbare Unterstützung dort zu bieten, wo sie gebraucht wird und nicht da, wo die Launen der Medien hin zeigen. Es ist ein sehr wichtiges Finanzierungsinstrument, unterstützt von ECHO und vielen anderen wichtigen Gebern, damit lokale Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften auf der ganzen Welt sofortige Hilfe nach kleinen oder mittelgroßen Katastrophen, oft stillen Katastrophen, leisten können.

Xavier Castellanos, der Nord- und Südamerika Direktor des IFRC, sagt, dass Rotes Kreuz und Roter Halbmond unabhängig von der Größe einer Katastrophe Hilfe leisten möchten: „Große Katastrophen, und die Reaktionen auf sie, können spektakulär, außergewöhnlich und unerwartet sein, und das Mitgefühl und die Solidarität der Menschen vergrößern. In den internationalen Medien kämpfen jedoch manchmal verschiedene Ereignisse Aufmerksamkeit, die Priorität des Roten Kreuzes ist und bleibt es, humanitäre Hilfe nach einer Katastrophe von egal welcher Größe zu leisten, wir handeln mit der Hilfe von Freiwilligen, Führern der Gemeinschaften und in Kooperation mit den Behörden. Auch nach der Katastrophe, wenn die Kamerateams längst wieder abgezogen sind, bleibt das Rote Kreuz vor Ort und hilft den Bedürftigsten.“

Dr. Bildard Baguma, Untergeneralsekretär der Programme und Projekte der Ugandischen Rotkreuz-Gesellschaft, sagte bei der Eröffnung der Kampagne Stille Katastrophen in Brüssel, dass die Aufabe sogar noch über die Nothilfe hinausgeht. Die beste Nothilfe sei es, vorbereitet zu sein: „Wenn wir uns auf Risiken und Anfälligkeiten, vor denen Menschen stehen bevor Katastrophen geschehen, konzentrieren, haben wir im Endeffekt viel mehr davon.“ Dies, zusammen mit der Entwicklung von Hilfsprogrammen für diejenigen, die regelmäßig von Katastrophen betroffen sind, wird den Teufelskreis der Anfälligkeiten aufbrechen.

Der Ausbruch mehrerer Epidemien - Cholera, Ebola und Marburg-Fieber - 2012 in Uganda war die erste stille Katastrophe, über die am 18. Februar während der einmonatigen Kampagne mit der IFRC, ECHO und 11 europäischen Rotkreuz-Gesellschaften berichtet wurde, um auf stille Katastrophen auf der ganzen Welt hinzuweisen.

In der Karibik, in allen Gemeinschaften und in allen Ländern, über die die Kampagne Stille Katastrophen in den letzten vier Wochen berichtet, und in allen anderen Ländern dieser Welt werden das Rote Kreuz und der Rote Halbmond, mit der Unterstützung von ECHO und anderen Partnern, weiterhin helfen - lange bevor und nachdem die Nachrichtenteams wieder abgezogen sind - um den Betroffenen eine Stimme zu geben, die diese Katastrophen alles andere als still erleben.

 

Von Andy Channelle, IFRC

zum Anfang

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte. Durch die Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Erfahren Sie mehr

OK