Helfer und Flüchtlingskinder bei Mossul Safin Ahmed / Iraqi Red Crescent Society

Nord-Irak: Akute Nothilfe für Menschen auf der Flucht

Seit Anfang 2014 herrschen im Irak schwere, gewaltsame Auseinandersetzungen. Inzwischen sind deshalb rund 3,3 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Laut den Vereinten Nationen sind aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen ca. 11 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.

 

Mittlerweile haben die direkten Kampfhandlungen in einigen Gebieten abgenommen, die Folgen für die Menschen vor Ort sind aber nach wie vor dramatisch. Das zeigt sich unter anderem an der Millionenstadt Mossul, in der die Menschen nach Ende der langen Belagerung und heftigen Kämpfe nach wie vor unter schwierigsten Bedingungen leben und massiv auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. 

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Mangel an überlebensnotwendigen Gütern

Für hunderttausende Menschen ist die Situation auch jetzt noch dramatisch. Große Teile des Landes wurden zerstört oder schwer beschädigt. Auch die Infrastruktur für beispielsweise Strom- und Wasserversorgung wurde großflächig zerstört. Eine unübersichtliche Anzahl von Minen und Blindgängern erschweren die Rückkehr in die Städte und den Wiederaufbau enorm.

Aus diesem Grund konnten bis heute zum Beispiel in Mossul lediglich ca. 200.000 Menschen in ihre alte Heimat zurückkehren. Es bleiben weiterhin etwa 820.000 Menschen aus der Umgebung vertrieben – aus anderen Gebieten des Irak sind es mehrere Millionen Menschen. Über 2 Millionen Menschen konnten jedoch schon in ihre Heimatdörfer zurückkehren. Wir rechnen auch weiterhin mit verheerenden Folgen für die Betroffenen und einem gravierenden Mangel an überlebensnotwendigen Gütern.   

Hilfsgüter zur Linderung der schlimmsten Not

Neben Trinkwasser brauchen die Menschen im Nord-Irak insbesondere Decken, Hygienekits, Nahrungsmittel und andere lebensnotwendige Güter. Diese werden in einem Lagerhaus in Dohuk bereitgehalten, bevor sie vom Irakischen Roten Halbmond in den betroffenen Gebieten und Auffanglagern verteilt werden.

Nach der Versorgung in ersten Anlaufstellen, werden die Vertriebenen in andere Flüchtlingslager und Unterkünfte weitergeleitet, um dort mit längerfristiger Hilfe versorgt zu werden. Das DRK verfügt vor Ort über ein Team von vier Delegierten und lokalen Mitarbeitern, welches den Irakischen Roten Halbmond bei der Umsetzung der Hilfsoperation laufend unterstützt.   

Seit 2014 hilft das DRK den Vertriebenen im Nord-Irak

Bereits seit Mitte 2014 unterstützt das DRK die Nothilfe des Irakischen Roten Halbmonds im Nord-Irak. Erst mit Winterhilfe wie Decken und Heizöfen aufgrund des extrem kalten Winters und später mit Sommerhilfe in Form von Luftkühlgeräten konnten wir die Not in den einfachen Flüchtlingsunterkünften lindern helfen. Mit Bargeldhilfen, sogenannten Cash Transfers, ermöglichte das DRK 1300 Familien, ganz persönliche Bedürfnisse zu stillen. Diese tragen dazu bei, die Eigenständigkeit und Würde der Betroffenen zu erhalten. Rund 1.000 besonders benachteiligte Familien, die unter ärmsten Bedingungen in Zelten hausen, erhielten Gutscheine für Baumaterial und technische Unterstützung beim Bau von festen Unterkünften. Von DRK und dem Irakischen Roten Halbmond ausgebildete Ersthelfer in den Flüchtlingscamps stärken die Fähigkeit zur Selbsthilfe im Notfall.

  • Flexible Hilfszahlungen sichern Grundbedürfnisse und geben Würde

    Einheitliche Hilfsgüter wie Hygienesets oder Nahrungsmittelpakete sind in vielen Situationen nach wie vor unentbehrlich. In anderen Situationen stellen Bargeldhilfen jedoch eine effektivere Form der Hilfe dar, zumal  nicht alle existenziellen Bedürfnisse durch Hilfspakete gedeckt werden können. Gerade die Bedarfe der Menschen, die bereits seit mehreren Monaten oder sogar Jahren vertrieben sind, können so oft nicht berücksichtigt werden. So benötigt eine Familie z.B. Medikamente für die Behandlung einer Krankheit, während eine andere Familie Baumaterial für ihre Unterkunft braucht. Deshalb ermöglicht das DRK durch einmalige oder wiederholte Hilfszahlungen den Menschen, ganz persönliche Bedürfnisse zu stillen. Gleichzeitig tragen diese Zahlungen dazu bei, die Eigenständigkeit und Würde der Betroffenen zu erhalten. 

  • Ersthelfer in Flüchtlingscamps stärken Selbsthilfekapazitäten

    Nachdem das DRK Freiwillige des Irakischen Roten Halbmondes zu Erste-Hilfe-Trainern ausgebildet hat, geben diese ihr Wissen in Flüchtlingslagern weiter. So lernen die vertriebenen Familien, selbst Maßnahmen zu treffen, um Leben zu retten und Gefahren abzuwenden oder zu minimieren, bis professionelle Hilfe eintrifft. Die neuen Ersthelfer erhalten notwendige Erste-Hilfe-Materialien und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erstversorgung in den Flüchtlingslagern. 2017 wurden beispielsweise rund 11.000 Erste—Hilfe-Sets verteilt. Für 2018 sollen weitere 3.000 Sets bereitgestellt werden.

  • Winter- und Sommerhilfen schützen bei extremen Wetterbedingungen

    Hunderttausende Flüchtlinge im Irak leben unter sogenannten kritischen Wohnbedingungen – etwa in unfertigen Gebäuden. Gleichzeitig herrschen teils extreme Wetterbedingungen – von Temperaturen am Gefrierpunkt im Winter bis zu Hitze von über 50° C im Sommer. Behelfsmäßige Behausungen bieten davor wenig Schutz. Deshalb unterstützt das DRK die Menschen mit lebensnotwendigen Hilfsgütern. So haben die Helfer des Irakischen Roten Halbmonds in den letzten Jahren im Winter vor allem Gutscheine für Kerosin, aber auch Heizöfen, Isoliermatten oder Decken verteilt. Im Sommer schützen die Luftkühlgeräte vom DRK die Menschen vor Hitzefolgen. Nun wird die gleiche Hilfe hauptsächlich durch Bargeldhilfen geleistet. Besonders für Kinder und ältere Menschen ist das eine große Erleichterung.

  • Der Bau von festen Unterkünften verbessert die Situation von Vertriebenen erheblich

    Über 1.000 besonders benachteiligte Familien im Flüchtlingslager Gawilan, die teils seit mehreren Jahren unter ärmsten Bedingungen in Zelten hausten, erhielten 2016 Gutscheine für Baumaterial und technische Unterstützung beim Bau von festen Unterkünften. Diese bieten Schutz vor Wettereinflüssen und tragen erheblich zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl und würdevolleren Lebensbedingungen bei. Die sehr erfolgreiche Maßnahme, welche mit finanzieller Hilfe der Hessischen Staatskanzlei durchgeführt werden konnte, wurde 2017 im Flüchtlingslager Domiz fortgesetzt. Über 300 syrische Familien (über 1.700 Menschen) profitierten bereits von diesen Maßnahmen.

Das Projekt

Region: Nordirak (Regierungsbezirke Dohuk, Erbil und Suleymaniah) und angrenzende Gebiete
Partner: Irakischer Roter Halbmond (IRH)
Finanzierung: Auswärtiges Amt, Belgisches Rotes Kreuz,  Hessische Staatskanzlei und Spenden
Begünstigte:  2015: rund 30.000 Familien, 2016: rund 66.000 Familien, bis 2017 rund 110.000 Familien
Projektvolumen: 2016 bis 2018: 7.315.100 EUR

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