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Japan: Eine Stadt kämpft ums Überleben

Foto: Zwei asiatische Männer stehen vor einer Reihe Menschen.

Bürgermeister Futoshi Toba: "Am wichtigsten ist jetzt Arbeit." (Foto: Japanisches Rotes Kreuz)

Futoshi Toba ist der Bürgermeister einer Stadt, die beinahe aufhörte zu existieren. Rikuzentakata wurde am 11. März vom Erdbeben und Tsunami schwer verwüstet. Insgesamt starben 2000 Bewohner. Jetzt kämpft der Bürgermeister darum seine Stadt zu retten. Nur eine Handvoll von Gebäuden im Stadtzentrum steht noch, alle anderen wurden am 11. März buchstäblich weggefegt.

Eines der Hauptmerkmale der Stadt, ein Pinienwald von 70.000 Bäumen, ist verschwunden. Nur ein einzelner Baum blieb stehen. Auch der Sandstrand, ein beliebter Picknickplatz für Familien, ist weg. Diese einst malerische Kleinstadt in der Präfektur Iwate ist plötzlich ein Ödland.

"Wenn ich mich umschaue und all die Zerstörungen sehe, ist es für mich immer noch schwer zu akzeptieren, dass dies jetzt unsere Realität ist“, sagt der Bürgermeister und kämpft mit den Tränen. „Unser Kampf ums Überleben beginnt jetzt noch einmal. Das Beben und den Tsunami haben wir überlebt. Nun müssen wir sehen, wie wir die Zukunft bewältigen können. Die Unterstützung des Roten Kreuzes wird hier dringend gebraucht. Wir schätzen die Hilfe sehr."

Jeder der knapp 22.000 Überlebenden kennt jemanden, der durch die Katastrophe sein Leben verlor. „So viele Menschen verloren ein Familienmitglied oder einen Freund", sagt Bürgermeister Toba, der seine Frau durch die Katastrophe verloren hat. „Es ist sehr schwierig für die Bewohner, in die Stadt zurückzukommen und dort zu leben, wo sie so viel Leid erfahren haben. Gleichzeitig fühlen sie sich diesem Ort aber auch verbunden. Ich denke wir sollten unsere Stadt wiederaufbauen. Stärker als zuvor."

Das örtliche Krankenhaus und lokale Kliniken wurden zerstört. Das Japanische Rote Kreuz hat in der Daiichi Junior High School deshalb eine Klinik eingerichtet, die rund um die Uhr geöffnet ist. Die Schule war auch eines der wichtigsten Evakuierungszentren. Einen Tag nach der Katastrophe hatten bereits 1.200 Menschen in der Schule Zuflucht gefunden. Unter ihnen war auch der pensionierte Schulleiter Yukichi Yokota. Er wurde von den Evakuierten sofort zum Verwalter des Zentrums gewählt.

"In den ersten Tagen schwiegen die Menschen im Evakuierungszentrum." sagt Yokota. "Niemand sprach. Wir waren unter Schock. Wir konnten nicht glauben, was passiert war. Dann, nach zwei oder drei Wochen begannen die Menschen nach ihren Angehörigen zu suchen.“

"Jetzt Monate nach der Katastrophe sehen wir die ersten Menschen wieder lächeln. Die Gesichtsausdrücke und Stimmen werden wieder ein bisschen weicher und sanfter.“ sagt Yokota weiter. Die Präsenz der Rotkreuzhelfer und die erfahrene Unterstützung spielen eine wichtige Rolle bei der Genesung.

"Die Waren, die wir erhalten, die medizinische Versorgung, die Solidarität, diese Verbindungen zwischen den Menschen, geben uns Ermutigung und Energie für die Zukunft", sagt er. Die Klinik des Roten Kreuzes behandelt immer noch über 60 Patienten pro Tag. Ein psychosoziales Team des Japanischen Roten Kreuzes ist an der Schule stationiert, um die Menschen weiterhin zu unterstützen. "Die Leute fangen an, sich zu öffnen und sprechen mit uns über ihre Gefühle." sagt der Psychologe Kazumi Sawada, der für das Rote Kreuz im Einsatz ist. „Es ist schwer für einen Japaner, ein Gefühl der Schwäche zu zulassen, aber wir müssen über das Erlebte und unsere Gefühle reden, um diese Katastrophe zu verkraften."

Kiku Sasaki, 77, verlor ihr Haus und all ihren Besitz durch den Tsunami. Sie und ihre drei Töchter leben seit der Katastrophe im Evakuierungszentrum. Sie hofft, bald in ein Übergangshaus umziehen zu können. „Ich bin sehr besorgt über die Zukunft." sagt Frau Sasaki. „Ich versuche, nicht zu viel über die Zukunft nachzudenken, weil ich über das, was geschehen ist, so beunruhigt bin. Ich versuche einfach nur über das Hier und Jetzt nachzudenken und durchzuhalten."

Rund 2.100 Übergangshäuser sollen in Rikuzentakata gebaut werden. Bisher wurden 832 fertig gestellt und von Familien bezogen. Bis Ende Juli soll der Bau von weiteren 1040 Häusern abgeschlossen sein. Das Japanische Rote Kreuz hat für diese Häuser eine Reihe von technischen Geräten wie Waschmaschinen, Kühlschränken und Reiskochern bereitgestellt. Damit aus dem Übergangshaus auch ein Zuhause wird.

Bürgermeister Toba glaubt, dass es 10 Jahre dauern wird, um Rikuzentakata zu rekonstruieren und neu zu beleben "Das Wichtigste, was wir brauchen, ist Arbeit." sagte er. "Die Menschen werden nicht wiederkommen, wenn es keine Arbeitsplätze gibt."

7. Juni 2011. Alter: 351 Tage
 

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