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Wasser als Menschenrecht - Weltwassertag 2008

Künftige Kriege werden um Wasser geführt, heißt es in der Zeitschrift "Le Monde diplomatique". In einer Welt mit immer mehr Menschen wird das kostbare Nass knapper. Doch über eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Der Weltwassertag am Karsamstag (22. März) will auf dieses Problem aufmerksam machen.

Im Bezirk Makueni in Kenia haben das Deutsche Rote Kreuz und das Kenianische Rote Kreuz mit Unterstützung der EU ein Wasserprojekt für 28.600 Bewohner ins Leben gerufen. Dazu ein Interview mit Harry Gülker. Er ist der Wasser- und Hygieneexperte des DRK vor Ort.

Den Bau von Wasserleitungen oder Klos mit Spenden zu finanzieren - das klingt nach ziemlich banalen Projekten. Warum ist das so wichtig?

Die meisten Menschen in ländlichen Gegenden, in denen wir hauptsächlich arbeiten, haben nicht genügend Wasser für ihren täglichen Bedarf. Deshalb versuchen wir in erster Linie den Menschen genügend Wasser bereitzustellen. Außerdem wollen wir erreichen, dass das Wasser als Trinkwasser sicherer und sauberer wird. Unsauberes Trinkwasser kann sehr viele Krankheiten auslösen. Weltweit sterben immer noch jeden Tag mehrere Tausend Erwachsene und vor allem Kinder an Durchfall. Und außerdem sind die Menschen stundenlang unterwegs, um Wasser zu holen. Wenn es keine Latrinen gibt, sind sie  gezwungen, in den Busch zu gehen.

Was ist daran problematisch?

Wenn Regionen dichter besiedelt sind, können die Fäkalien so wieder in die Flüsse, Bäche und Regenauffangbecken gelangen. Außerdem es ist gerade für Frauen, die nachts im Freien unterwegs sind, gefährlich. Sie setzen sich der Gefahr aus, überfallen oder vergewaltigt zu werden. Deshalb ist es das Ziel unserer Projekte, den Menschen sauberes Wasser und Latrinen, also einfache Plumpsklos, näher an ihre Häuser zu bauen.

Wie funktioniert das?

Wir bohren Brunnen oder bauen Staudämme für das Regenwasser oder wir verlegen Wasserleitungen zu bestehenden Brunnen. 15 Liter Wasser pro Person und Tag sind das Minimum, das wir versuchen den Menschen zur Verfügung zu stellen. Das ist das Wasser zum Trinken, zur Zubereitung des Essens und zur körperlichen Hygiene. Das ist nicht viel. In Europa verbrauchen wir zwischen 120 - 130 Liter pro Person und Tag. Doch in vielen Regionen Afrikas ist das Wasser knapp. In unseren Projekten bilden wir lokale Wasserkomitees aus und betreuen diese auf längere Sicht durch die Ortsverbände des Kenianischen Roten Kreuzes. Das heißt, wir binden die Dorfbewohner beim Aufbau eines langfristigen, nachhaltigen  Wasser-Managements mit ein. Dieses Komitee verkauft das Wasser zu einem günstigen Preis. Mit den Geldern wird das Wasserversorgungsystem in Stand gehalten.

Können die Leute denn "Wassergeld" bezahlen?

Der vereinbarte Preis richtet sich nach der jeweiligen Gemeinde und deren Einkommensstruktur, sowie der Art des Wassersystems. Ein tiefer Brunnen, der einen Generator und eine elektrische Pumpe benötigt, verursacht ja z.B. mehr Betriebskosten als ein kleiner Staudamm mit Gravitationssystem oder eine Handpumpe. Die kann jedoch nur eingesetzt werden, wenn der Grundwasserspiegel nicht zu tief ist.
Hier müssen wir versuchen, die Balance zu halten zwischen den technischen Möglichkeiten und dem, was die Menschen bezahlen können, bzw. bereit sind zu zahlen. Die Wassergebühren sollen keine Gewinne abwerfen, sondern nur die primären Betriebskosten, wie Diesel und Öl, und die regelmäßigen Wartungsarbeiten abdecken. Weiter sollen Rücklagen für eventuelle größere Reparaturen oder die Neuanschaffung von Geräten gemacht werden. Derzeit liegt der Preis für einen 20 Liter Kanister zwischen 2- 5 kenianische Schilling (etwa 0.02 – 0.05 Euro). Trotzdem ist das für manche schon schwierig, dieses Geld aufzubringen. Die meisten Menschen leben von weniger als 1,50 Euro am Tag. In der Regenzeit benutzen daher viele das Wasser aus Pfützen oder Tümpeln. Zum Ende der Trockenzeit ist die Bereitschaft größer, sauberes Wasser vom Wasserkomitee zu kaufen.
In besonders einkommensschwachen Gegenden können wir keine kostenintensiven Anlagen für sauberes Wasser bauen, sondern nur Regenwasserdämme, die das Wasser von saisonalen Flüssen sammeln. Dort versuchen wir lokal hergestellte Wasserfilter aus Ton einzuführen, damit die Familien zumindest ihr Trinkwasser filtern können.

Würden Sie sagen, dass solche Wasserprojekte auch der Friedenssicherung dienen?

Ich meine schon. Im Norden Kenias in den Gebieten, wo Menschen mit ihren Herden durch das Land ziehen, da kommt es in der Trockenzeit an den Wasserstellen oft zu gewalttätigen Zusammenstößen, weil jeder seine Herde durchbringen will. Dem kann man nur mit ausreichend Wasserstellen und einem guten Wasser-Management vorbeugen. Das Recht auf Wasser ist ein Menschenrecht.

(20.03.2008)

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