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Kambodscha: Leben mit der Landminengefahr

Seit Januar 2006 unterstützt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) das Landminenprojekt seiner Schwestergesellschaft in Kambodscha. Das südostasiatische Königreich gehört zu den am stärksten mit Landminen und Blindgängern kontaminierten Ländern der Welt.

Zwischen 1970 und 1998 herrschten in Kambodscha Bürgerkrieg, Diktatur und Besatzung. Die Hinterlassenschaft dieser fast fast dreißig Jahre sind geschätzte vier bis sechs Millionen Landminen und unzählige nicht explodierte Bomben, sog. Blindgänger. Diese verseuchen bis heute einen ca. 700 km Landstreifen entlang der Grenze zu Thailand auf einer Fläche von 4.500 km².

Damit ist fast die Hälfte der ländlichen Gebiete Kambodschas betroffen. Jährlich werden ca. 800 bis 900 Menschen durch Landminen und Blindgänger verstümmelt oder getötet – eine der höchsten Opferzahlen weltweit.

Auf diese dramatische Situation hat das Kambodschanische Rote Kreuz im Jahr 2000 mit der Initiierung eines Landminenprojekts reagiert. Ziel ist es, insbesondere die ländliche Bevölkerung über die von Minen und Blindgängern ausgehenden Gefahren zu informieren, und die Lebensbedingungen von Minenverletzten und potentiellen Minenopfern nachhaltig zu verbessern.

Dazu sind ca. 500 freiwillige Helfer des Kambodschanischen Roten Kreuzes und 1.050 Jugendrotkreuzler in den sechs am stärksten betroffenen Provinzen im Einsatz. Sie berufen Dorfversammlungen ein und informieren in Schulen detailliert über die verschiedenen Erscheinungsformen von Minen, verteilen Broschüren, installieren Plakattafeln.

Das Kambodschanische Rote Kreuz musste allerdings bald feststellen, dass Aufklärungskampagnen alleine das Problem nicht lösen können: Alarmierenderweise hat eine Studie ergeben, dass 80% aller Minenopfer zwar um die Minengefahr wussten, sich diesem unberechenbaren Risiko aus wirtschaftlicher Not heraus aber bewusst ausgesetzt hatten. Denn die ländlichen Gebiete im Nordwesten Kambodschas leiden nicht allein unter Minen und Blindgängern, sondern auch unter großer Armut.

So wagen sich die Menschen auch in minenverseuchte Gebiete vor, um ihre Familien ernähren zu können. Sie wollen die Flächen landwirtschaftlich nutzen oder suchen Brennholz. Andere spüren Blindgänger auf, um das Altmetall für wenige Dollar zu verkaufen. Speziell diese Risikogruppen unterstützt das Kambodschanische Rote Kreuz seit dem letzten Jahr durch die Vergabe von Kleinkrediten: Zinsfreie Darlehen in Höhe von 200 US-Dollar ermöglichen es den betroffenen Familien, einen kleinen Laden zu eröffnen, eine Wasserpumpe anzuschaffen oder Zuchtschweine zu erwerben. Der Erlös bietet eine alternative Einkommensmöglichkeit, und die Darlehensnehmer können sich eine langfristige wirtschaftliche Existenz aufbauen. Nach der Rückzahlung werden die Darlehen dann zugunsten weiterer hilfsbedürftiger Familien eingesetzt.

Das DRK unterstützt das Landminenprojekt seiner kambodschanischen Schwestergesellschaft seit über einem Jahr. So konnten bereits 80 Kleinkredite ausgezahlt werden, für die erste Jahreshälfte 2007 sind weitere 50 geplant.

Darüber hinaus fördert das DRK die Ausbildung der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kambodschanischen Roten Kreuzes, damit sie den zusätzlichen Anforderungen des Landminenprojekts gerecht werden können.

(05.04.2007)

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