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Zwei Jahre nach dem Erdbeben in Haiti – eine Bilanz der Hilfe

Das Erdbeben am 12. Januar 2010 in Haiti hinterließ das ärmste Land der westlichen Hemisphäre in Trümmern: Rund 220.000 Menschen verloren ihr Leben, mehr als eine Million ihr Zuhause. Binnen zwei Stunden nach der Katastrophe war das Rote Kreuz im Einsatz, um den Menschen zu helfen und ihr Überleben zu sichern. Im März 2010 hat das DRK mit den ersten Wiederaufbaumaßnahmen begonnen und bis zum zweiten Jahrestag trotz Widrigkeiten vieles erreicht.

Über den Wiederaufbaumaßnahmen steht der Gedanke, nicht nur mit einzelnen Maßnahmen zu helfen, sondern mit einem umfassenden Maßnahmenpaket. Für die Menschen, die ein neues Haus vom DRK erhalten haben, wird beispielsweise auch die Trinkwasserversorgung sichergestellt. Zudem nehmen sie an Hygieneschulungen teil, um Krankheiten vorzubeugen. So hat das DRK in enger Zusammenarbeit mit dem Haitianischen Roten Kreuz und anderen nationalen Gesellschaften in sieben Bereichen geholfen:

Bau von Unterkünften

3.000 besonders bedürftige Familien in zehn Gemeinden rund um die Städte Leogane und Gressier haben Unterstützung beim Bau von sturmsicheren Unterkünften erhalten. Derzeit werden die letzten Häuser fertiggestellt. Das DRK hat Materialien bereitgestellt und den Bau begleitet, den die Haitianer selbst durchgeführt haben. Für die technische Unterstützung wurden Gemeindemitglieder vom DRK ausgebildet und Unterstützungsteams zusammengestellt. Der Großteil der Häuser besteht aus einer Holzgrundkonstruktion mit einem gemauerten Sockel sowie einem Metalldach und kann durch einen Anbau erweitert werden.

Trinkwasserversorgung und Seuchenvorsorge

Der Ausbruch einer Cholera-Epidemie im Oktober 2010 schwächte die haitianische Bevölkerung nach dem Erdbeben zusätzlich. Mehr als 1.300 Menschen wurden im Cholera Behandlungs-Zentrum des DRK in Arcahaie erfolgreich behandelt. Um einem erneuten Aufflammen der Seuche und weiteren Krankheiten vorzubeugen, kümmert sich das DRK um die Hygieneaufklärung der Menschen. So haben die Helfer allein in den Gemeinden um Arcahaie mehr als 35.000 Menschen geholfen. Diese erhielten zum Beispiel Schulungen, Seife sowie Wasseraufbereitungstabletten. Auch die Menschen in den Gemeinden um Leogane und Gressier, die vom DRK ein Haus erhalten haben, erfahren in Schulungen beispielweise, wie sie sich durch richtiges Händewaschen schützen können. Zudem stellt das Rote Kreuz die Wasser- und Abwasserversorgung sicher. Bisher wurden sechs Brunnen für die Gemeinden erweitert und ein Waschplatz wiederhergestellt. Die entstandenen Häuser erhalten zudem einen Regenwasserspeicher. 872 Latrinen wurden gebaut, weitere 2.128 werden in diesen Dörfern bis 2013 entstehen. Zusätzlich wird das Rote Kreuz 300 Latrinen in anderen Gemeinden bauen.

Katastrophenvorsorge

Ob Tropenstürme oder Erdrutsche, Haiti ist immer wieder von Naturkatastrophen betroffen. Damit sich die Bevölkerung besser schützen kann, erweitert das DRK seine seit 2008 bestehenden Katastrophenvorsorge-Projekte. Zehn Gemeinden um Leogane und Gressier profitieren davon. Dort wurden bereits lokale Einsatzgruppen gebildet. Diese Katastrophenhelfer lernen, wie man das Risiko einer Katastrophe am besten einschätzt, wie man im Notfall Menschen für die Evakuierung mobilisiert, Rettungs- und Hygienemaßnahmen durchführt sowie erste Schritte zum Wiederaufbau einleitet. Neben den lokalen Helfern wird auch die Bevölkerung über die Katastrophenvorsorge aufgeklärt.

Wiederaufbau sozialer und kommunaler Infrastruktur

Um die Gemeinden zu stärken, baut das DRK Schulen und Gemeindezentren wieder auf. So wurden zwei Schulen in Leogane und die Fakultät für Humanwissenschaften der Universität in Port au Prince wieder errichtet. Das Olizard Cooperative Transformation Centre – eine Einrichtung, in der die Gemeindemitglieder ihr lokal produziertes Gemüse und Obst verarbeiten, um es als Trockenfrüchte, Likör, Sirup oder Konserven auf dem Markt zu verkaufen – wird derzeit fertig gestellt. Demnächst beginnt das DRK mit dem Wiederaufbau einer weiteren Schule.

Blutbank

Die nationale Blutbank Haitis wurde durch das Erdbeben komplett zerstört. Den Wiederaufbau des Blutspendewesens unterstützt das DRK mit Ausrüstung, Know-How und finanziellen Mitteln. So wurde eine 1.000 Quadratmeter große Etage renoviert und vorbereitet. Medizintechnische Geräte zur Blutgewinnung wurden beschafft und nach Haiti verschifft, so dass das Haitianische Rote Kreuz ab dem Frühjahr 2012 bis zu 2.000 Blutspenden monatlich annehmen, verarbeiten, lagern und ausgeben können wird.

Frühgeborenenklinik

Das mobile DRK-Hospital im Fußballstadion Carrefour war von Januar bis November 2010 im Einsatz. Die Ärzte und Schwestern haben dort über 70.000 Behandlungen durchgeführt. Nachdem die Zelte abgebaut waren, überließ das DRK die Ausrüstung unter anderem einem Mutter-Kind-Krankenhaus in Carrefour. Damit konnte das Krankenhaus unter anderem eine Frühgeborenenstation und einen 24 Stunden Rettungsdienst einrichten. Das gab es vor dem Erdbeben nicht. 

Stärkung der Gemeinden

Neben Häusern und sauberem Trinkwasser benötigen die Menschen in Haiti dringend Arbeit und eine Perspektive für die Zukunft. Das DRK wird die Gemeinden um Leogane und Gressier weiterhin dabei unterstützen, sich eine neue Lebensgrundlage aufzubauen. Derzeit wird geprüft, welche Maßnahmen für die Menschen vor Ort sinnvoll sind und eine langfristige Hilfe darstellen. Zudem fördert das DRK die Bildung einer lokalen Rotkreuz-Gliederung in Leogane, denn die beste Hilfe ist die, die schon da ist, wenn der nächste Sturm oder Erdrutsch das Land trifft.

Ihre Spenden kommen an

Das DRK hat 2010 über 33 Millionen Euro Spenden für die Erdbebenopfer erhalten. Bis heute sind 30 Millionen davon ausgegeben oder verplant. Etwa die Hälfte des Geldes wurde für den Bau von Wohnhäusern oder Schulen eingesetzt, ein Drittel für Gesundheitsprojekte wie das mobile Krankenhaus oder die Mutter-Kind-Station. Der Rest wurde für die Soforthilfe verwendet oder ist für die Katastrophenvorsorge und langfristige Entwicklungshilfe vorgesehen. Die DRK-Erdbebenhilfe wird bis ins Jahr 2013 weitergeführt, denn die Not der Menschen ist trotz vieler Fortschritte noch nicht behoben.

Das Deutsche Rote Kreuz setzt seine Projekte in enger Zusammenarbeit mit dem Haitianischen Roten Kreuz um. Denkbare Doppelfinanzierungen oder eine Fehlleitung von Geldern wird durch eine engmaschige Koordination mit den vorrangigen Akteuren der internationalen Hilfe und den zuständigen nationalen Behörden vermieden.

Fotos der Wiederaufbaumaßnahmen: © Ben Depp, Sabine Sommer, DRK

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