Erstmals in der Geschichte leben mehr Menschen in den Städten als auf dem Land. Die Städte versprechen Ausbildung, Arbeit, Sicherheit; kurz: ein besseres und längeres Leben. Tatsächlich leiden aber von den weltweit knapp 3,5 Milliarden Stadtbewohnern etwa 2,5 Milliarden unter den Schattenseiten der rasanten Urbanisierung: beengte Wohnverhältnisse, schlechte oder fehlende Gesundheitsversorgung, kein Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen, nicht funktionierende Kommunalverwaltung.
Ungleiche Überlebenschancen
Besonders problematisch werden diese Lebensbedingungen im Fall einer Naturkatastrophe. Anfang 2010 erschütterten zwei schwere Erdbeben den amerikanischen Kontinent. Während in Haiti, dem ärmsten Land der westlichen Welt, mehrere hunderttausend Menschen ums Leben kamen, war im vergleichsweise wohlhabenden Chile bei einem etwas stärkeren Beben „nur“ eine dreistellige Zahl von Toten zu beklagen.
Von strengen Bauvorschriften über vorbereitete Notfallpläne bis zum staatlich organisierten Wiederaufbau: In wohlhabenden und gut verwalteten Städten gibt es die Aussicht, Schäden durch extreme Naturereignisse zu minimieren. Ganz anders in den weniger entwickelten Ländern. Zum einem fehlen den dortigen Städten die notwendigen Mittel, um Infrastruktur und Dienstleistungen wie Straßen, Kanalisation, Krankenhäuser oder Feuerwehr bereitzustellen. Zum anderen sind die ärmeren Bevölkerungsgruppen mangels bezahlbarer Alternativen oft dazu gezwungen, Häuser an den gefährlichsten Orten der Stadt zu bauen: an erdrutschgefährdeten Abhängen oder in unmittelbarer Flussnähe.
Zudem sorgt der Klimawandel für die Zunahme extremer Wetterereignisse: Tropenstürme, die zu Überflutungen und Erdrutschen führen, ebenso wie Trockenheit, die sich in Trinkwassermangel und knappen bzw. teuren Lebensmitteln bemerkbar macht. Dies löst wiederum neue Abwanderung vom Land in die Städte aus.
Rechtlos, mittellos, obdachlos
Viele Stadtbewohner in den ärmeren Ländern wohnen in rechtlich unklaren Verhältnissen. Sie leben ohne behördliche Anmeldung, ohne verbrieftes Eigentum an ihren Häusern, viele auch ohne persönliche Papiere. Nach einem Unglück haben sie größte Schwierigkeiten, ihre Häuser wieder aufzubauen oder gar Entschädigungen zu erhalten. Oft nutzen die lokalen Behörden die Gelegenheit, um Slumbewohner aus der Stadt bzw. an ihren Rand zu vertreiben. Das Rote Kreuz dagegen setzt sich stets dafür ein, den Wiederaufbau in Kooperation mit den Überlebenden zu organisieren.
Video zum Weltkatastrophenbericht 2010 (englisch)
Erfahren Sie mehr zum Weltkatastrophenbericht
Der Weltkatastrophenbericht 2010 beleuchtet den weltweiten Trend zur Urbanisierung, nennt Katastrophenrisiken im städtischen Raum und gibt Empfehlungen, was auf lokaler Ebene nach einer Katastrophe und zur Vermeidung von neuen Katastrophen getan werden kann.
Zum Herunterladen: Weltkatastrophenbericht 2010 – auf Englisch (PDF, 220 Seiten, 7 MB)
Zum Weltkatastrophenbericht 2009
Zum Weltkatastrophenbericht 2008
Zum Weltkatastrophenbericht 2007
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