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Thailand: Die beste Katastrophenhilfe kommt vor der Katastrophe

Nach dem verheerenden Tsunami im Dezember 2004 stiftete das Deutsche Rote Kreuz (DRK) seiner Schwestergesellschaft in Thailand eine Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA). Seitdem wird die mobile Anlage vom Thailändischen Roten Kreuz (TRK) betrieben, und ist regelmäßig im Einsatz. Seit vergangener Woche versorgt eine weitere stationäre Anlage ein Krankenhaus im Süden des Königreiches mit Trinkwasser besonders hoher Qualität.

Thailand wird regelmäßig von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Daher entschied das DRK nach seinem Tsunami-Einsatz, seiner thailändischen Schwestergesellschaft eine Trinkwasseraufbereitungsanlage "Berkefeld TWA 10" samt dazugehörigem Lkw sowie einen Wassertank-Anhänger mit 10.000 Litern Fassungsvermögen zu überlassen.

Die technische Ausstattung allein genügte aber nicht. Daher veranstaltete das DRK zusammen mit dem TRK und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) vor einem Jahr einen Trainings-Workshop in Bangkok. Spezialisierte Mitarbeiter des DRK reisten an, um vor Ort das notwendige Know-how an 30 Teilnehmer aus ganz Südostasien zu vermitteln. Die werdenden Wasserspezialisten kamen aus Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, den Philippinen, Singapur, Vietnam, und Thailand. Die Teilnehmer lernten den sachgemäßen Umgang mit der TWA, und wurden mit den chemischen Prozessen vertraut gemacht, die aus ungenießbarem Schmutzwasser sauberes Trinkwasser machen. Die Berkefeld-Anlage produziert ca. 8.000 bis 10.000 Liter Wasser pro Stunde – genug, um täglich einige Tausend Menschen zu versorgen.

Schon kurz nach dem Training, im Mai des letzten Jahres, trat dann der erste Ernstfall ein: Die zehn geschulten Mitarbeiter des TRK brachten "ihre" TWA erstmals zum Einsatz, nachdem im Nordwesten Thailands weite Landstriche überflutet worden waren. Aber auch hier waren die Mitarbeiter des TRK nicht auf sich gestellt, denn das DRK stellte einen Fachmann zur Verfügung, der seine thailändischen Kollegen bei Bedarf mit seinem Erfahrungswissen unterstützte. So wurde die Mission ein voller Erfolg: Die betroffene Bevölkerung konnte ausreichend versorgt werden, und die neugegründete Emergency Water Unit (Trinkwasser-Einsatzgruppe) des TRK gewann an Selbstvertrauen und Einsatzerfahrung.

Bislang ist die TWA samt des geschulten Einsatzpersonals bereits sieben Mal anlässlich von Überschwemmungen in ganz Thailand zum Einsatz gekommen. Fachliche Unterstützung durch das DRK ist dabei inzwischen nicht mehr notwendig: Durch Vermittlung der theoretischen Kenntnisse und umfangreiches on-the-job Training können die Wasserspezialisten des TRK die Anlage bei Bedarf nun sogar selbst reparieren. Die Emergency Water Unit des TRK hat inzwischen Vorbildfunktion für andere Rotkreuz-Gesellschafter in ganz Südostasien.

"Jetzt müssen wir noch die Anzahl unserer Wasserfachkräfte durch die Ausbildung von Multiplikator erhöhen, und einige technische Komponenten verbessern und ausbauen", sagt Dr. Amnat Barlee, Direktor der Abteilung Nothilfe beim TRK. Dementsprechend wird das DRK die Emergency Water Unit für ein weiteres Jahr unterstützen. Ab 2009 wollen die Thailändischen Kollegen die Einheit dann komplett selbstständig und aus eigenen Mitteln betreiben.

Darüber hinaus hat das DRK die Installation einer stationären TWA in Kapong im vom Tsunami betroffenen Süden Thailands fachlich und finanziell begleitet. Sie soll sicherstellen, dass ein 30 Betten Krankenhaus dauerhaft mit hochwertigem Trinkwasser versorgt werden kann, und zwar auch dann, wenn die staatliche Trinkwasserversorgung aufgrund einer Naturkatastrophe vorübergehend ausfällt.

Die Erfolgsgeschichte der beiden thailändischen TWA belegt beispielhaft, dass die Zusammenarbeit der internationalen Rotkreuzbewegung auch jenseits der unmittelbaren Katastrophen-Nothilfe funktioniert: Nach der Tsunami-Soforthilfe haben Know-how- und Technologie-Transfer das TRK befähigt, aus eigener Kraft zur Verbesserung der Lebenssituation von Flutopfern in ganz Thailand beizutragen.

(31.05.2007)

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