Kambodscha: Zukunft für Minenopfer
Für Soun Path und seine Familie war es ein schwarzer Tag im Juni 2006: Der heute 11jährige Junge aus Kambodscha war mit seiner Familie im Wald unterwegs, um Holz zum Weiterverkauf zu schlagen. Als Gelegenheitsarbeiter auf der Suche nach einer Einkommensquelle war der Vater erst vor kurzem in das Gebiet Phsar Prum im Nordosten der Provinz Pailin gekommen. Dass das Gelände minenverseucht war, wusste er nicht. Als sein ältester Sohn Soun Path auf eine Mine trat und schwer verletzt wurde, versuchte der Vater Hilfe zu holen. Dabei löste er eine weitere Explosion aus – so wurden an einem Tag fünf Mitglieder einer Familie verletzt. Soun Path verlor beide Beide, sein Vater erblindete auf einem Auge.
Soun Path trat auf eine von weltweit über 60 Millionen Landminen, die in mehr als 70 Ländern verlegt sind. Nach Expertenschätzungen wurden allein seit 1975 weltweit über eine Million Menschen durch Minen oder ähnlich wirkende Waffen wie beispielsweise Streubomben verletzt oder getötet. Jedes dritte bis vierte Opfer ist ein Kind. In Kambodscha verseuchen geschätzte vier bis sechs Millionen Minen und Blindgänger bis heute einen ca. 700 km langen Landstreifen entlang der Grenze zu Thailand.
Das Kambodschanische Rote Kreuz hat Soun Path und seiner Familie geholfen. Auch über die medizinische Notversorgung hinaus wurde eine Lösung gefunden, um das Einkommen der Familie dauerhaft zu sichern: Mit einem z insfreien Darlehen in Höhe von umgerechnet 150 Euro konnte die Familie Schweine und Hühner erwerben und Gemüse anbauen, und lebt heute von den Einnahmen aus der Kleintierzucht. Das Darlehen ist inzwischen fast vollständig zurückgezahlt.
Mit Unterstützung des Deutschen und Australischen Roten Kreuzes konnten seit Anfang 2006 bereits mehr als 400 Kleinkredite an Minenverletzte und potentielle Minenopfer ausgezahlt und so eine alternative Einkommensmöglichkeit geschaffen werden. Für die meisten Darlehensnehmer ist es das erste Mal, dass sie nicht von der Hand in den Mund leben, sondern sich eine langfristige wirtschaftliche Existenz aufbauen können.
"Wir müssen nicht mehr in Minengebiete gehen, um zu überleben. Wir haben nun ein Zuhause und ein gesichertes Einkommen" sagt Soun Paths Vater Chan Kriel. Und Soun Path freut sich darüber, dass er nun die Schule besuchen kann, anstatt sein Leben in Minengebieten riskieren zu müssen. Und sein Rollstuhl kann bald durch vom Roten Kreuz zur Verfügung gestellte Prothesen ersetzt werden.
(04.04.2008)






