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Sudan: Hilfe für Flutopfer - DRK versorgt 20.000 Sudanesen mit Trinkwasser

Es ist heiß. So heiß, dass es keine Minute dauert, bis der Schlamm an den Händen von Faqeir Edris Faqeir trocken ist. Der alte Mann reibt die Handflächen aneinander. Kleine Lehmbrocken landen vor seinen Füßen im Morast - dort wo sein kleines Haus stand. Das gibt es nicht mehr. Das Haus aus luftgetrockneten Ziegeln und Lehmputz hat sich in den Regenfluten aufgelöst. Nur eine Wand ragt noch in den Himmel. Den Rest haben die Fluten weggespült.

Hilflose Zeugen der Zerstörung

Als der 70-Jährige in der Nacht vom 31. August aufwacht, steht sein Haus unter Wasser. Die ungeteerte Straße vor dem Haus hat sich in einen reißenden Fluß verwandelt, trotzdem muss die achtköpfige Familien in den Regen ins Freie flüchten. Dort sehen sie hilflos zu, wie die Mauern des Hauses zusammenbrechen, einzig ein kleines Nebengebäude wird nicht völlig zerstört.

"So etwas habe ich in keiner Regenzeit erlebt", sagt der 70-Jährige leise. Dann wühlt er mit seinen Händen wieder im Schlamm, zwischen Ziegeln und Schutt, hofft einen Teil des Hausrats aus dem Morast bergen zu können. Etwas Geschirr haben er und seine Tochter schon gerettet.

Leben im Schlamm

Dann werden die Hitze und die Anstrengung zuviel für den alten Mann. Er setzt sich in den alten Plastikstuhl, sinkt damit ein paar Zentimeter in den Boden. Faqeir Edris Faqeir Augen sind müde, sein Oberkörper nackt. Nur wenige Kleidungsstücke hat er vor der Überschwemmung retten können. Das Wenige, was er noch besitzt, soll nicht schmutzig werden. Seit Wochen haust er bereits im Schlamm. Den notwendigsten Schutz geben Plastikplanen. Seine Familie hat eine zusätzliche provisorische Hütte zusammengezimmert, die Familie erhielt ein Zelt.

Die Flut hat die Menschen in Kosti schwer getroffen: "Wir trauern um zwölf Tote, 12.600 Häuser sind beschädigt oder zerstört", sagt Osama Osman, Direktor der örtlichen Gebietsorganisation des Sudanesischen Roten Halbmonds.

Seuchenausbruch verhindert

Die Helfer der Schwesterorganisation des Roten Kreuzes haben bereits anstrengende Wochen hinter sich: 150 Mitglieder sind im Einsatz, verteilen zusammen mit staatlichen Einrichtungen und Organisationen Chlortabletten zur Trinkwasseraufbereitung, Moskitonetze, Eimer, Kanister, Nahrung, Zelte und Plastikplanen. Auch mobile Gesundheitsstationen sind unterwegs. Ein Seuchenausbruch konnte so verhindert werden.

"Auf die Regenzeit freuen sich die Menschen das ganze Jahr. 2007 kam dann alles anders. Die Niederschläge begannen einen Monat vor der üblichen Zeit. Zweimal waren sie so heftig, dass es zu großen Schäden kam", sagt Osman. Die Menschen hätten Angst, dass die heftigen Regenfälle mit dem Klimawandel zusammenhängen.

Angst vor Malaria

Faqeir Edris Faqeir macht sich andere Sorgen. Er befürchtet, dass sich in den gewaltigen Wasserlachen im Viertel die Moskitos vermehren und mit ihnen Malaria über seine Familie kommt. Auch die finanzielle Zukunft sieht er mit Besorgnis. "Wie sollen wir das alles wieder aufbauen, womit das Verlorene bezahlen?", seufzt der alte Mann. Süßigkeiten, Socken und Seife haben die Faqeirs verkauft. Die meiste Ware ist jetzt unbrauchbar.

Unbrauchbar ist auch der Wasserhahn, der aus dem Schlamm hervorragt. Der alte Mann dreht ihn auf, es kommt kein Tropfen heraus. Aber das verschmutzte Wasser könnte die Familie ohnehin nicht trinken. Damit das Flutwasser abfließen kann, wurden in den betroffenen Vierteln Gräben gezogen.

Leitungen beschädigt

Eine ungeliebte Folge der hastigen Graberei: viele Wasserleitungen sind beschädigt, das Wasser verschmutzt. Im Viertel der Faqeirs ist kaum noch eine Latrine intakt. Fäkalien, Müll - alles wurde fortgeschwemmt.

"Nach einer Katastrophe die Versorgung der Betroffenen mit sauberem Trinkwasser sicherzustellen ist eine der wichtigsten Aufgaben. Sonst drohen Durchfallerkrankungen und Seuchen. In Kosti werden wir mindestens 20.000 Menschen mit Trinkwasser versorgen, eventuell wird die Kapazität noch erhöht", sagt DRK-Teamleiter Johann Keppler.

Wasser mit Eselskarren verteilt

Hinter Keppler glänzen zwei Wassertanks in der Sonne. Gerade eben aus Deutschland eingeflogen und aufgebaut, keine zwei Kilometer Luftlinie von den Faqeirs entfernt. Bald wird ein dritter Tank stehen.

"Wir pumpen das kontaminierte Wasser aus der vorhanden Leitung in die Tanks, reinigen es und stellen es dann zur Verteilung an die Bevölkerung zur Verfügung. Das Wasser wird zuerst mit Eselkarren verteilt, schrittweise muss dann das Leitungssystem in Ordnung gebracht werden", erklärt Keppler.

Sauberes Trinkwasser als Anfang

Wolfgang Hahn heißt der zweite Deutsche im Team, daneben sind zwei Schweden und ein Kenianer im Einsatz. Vier bereits ausgebildete Helfer des Sudanesischen Roten Halbmonds packen beim Aufbau und Betrieb ebenfalls mit an, zehn weitere Helfer aus Kosti sollen trainiert werden."Wenn das Deutsche Rote Kreuz abzieht, sind unsere Freunde vom Sudanesischen Roten Halbmond bestens ausgebildet. Das ist eine wichtige Stärkung für den zukünftigen Katastrophenschutz vor Ort, eine Investition in eine sicherere Zukunft", erklärt Johann Keppler.Keine zwei Kilometer entfernt lebt ein 70-Jähriger in Trümmern. Faqeir Edris Faqeir hat an diesem Tag nicht mehr viel aus dem Schlamm retten können. Sauberes Trinkwasser aus dem Hahn, das wäre ein wichtiger Anfang.

(04.10.2007)

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