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Sudan: Eine Delegierte berichtet über die Hilfe des DRK

Seit der Eskalation des Darfur-Konfliktes im Jahr 2003 leistet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Zusammenarbeit mit seiner Sudanesischen Schwestergesellschaft den im eigenen Land aus ihren Dörfern vertriebenen Menschen Hilfe. Im vom Bürgerkrieg erschütterten Norden Darfurs ist kein Ende der humanitären Katastrophe abzusehen.

Die Delegierte des DRK, Cornelia Häusler, ist am 8. März aus dem Sudan zurückgekehrt. In ihrem zwölfmonatigen Einsatz war sie sechs Monate Teamleiterin in El Fasher, weitere sechs Monate Projektmanagerin für die DRK-Klinik im Flüchtlingslager Abu Shok. Sie berichtet über ihre Arbeit und die Lage der Menschen in Darfur.

Frau Häusler, Sie waren ein Jahr als Delegierte im Sudan. Worunter leidet die Bevölkerung besonders?

Darfur ist eine Wüste. Dadurch ergibt sich oft eine Wasserunterversorgung, in vielen Dörfern müssen die Menschen mit ihren Kanistern vier Stunden laufen, um eine Quelle zu finden. 2005 gab es jedoch Überschwemmungen, bei denen viele ihre Existenzgrundlage verloren. Im Norden Darfurs ist aber nicht die Wetterlage das Problem. Für die Menschen dort ist es der Bürgerkrieg, der sie aus ihren Dörfern ins Ungewisse vertreibt. In Flüchtlingslagern wie dem in Abu Shok warten sie darauf, dass ein Friedensvertrag wieder Sicherheit bringt.

Wie viele Flüchtlinge leben in dem Lager Abu Shok?

In Abu Shok, das etwa 8 Kilometer außerhalb von El Fasher liegt, leben zurzeit 55.000 Flüchtlinge.

Kommen noch neue Flüchtlinge hinzu?

Allein in den 12 Monaten, in denen ich in Darfur war, sind weitere 14.000 Flüchtlinge in einem zweiten Camp, in As Salam, untergekommen. Abu Shok wurde geschlossen, weil das Lager einfach voll ist.

Gibt es denn auch erfolgreiche Rückkehrer, also Flüchtlinge, die in ihre Heimatregion zurück konnten?

Im Norden Darfurs noch absolut nicht. Eine Rückkehr in ihre Heimatdörfer ist für die Binnenvertriebenen noch viel zu unsicher, da der Bürgerkrieg anhält. Die Flüchtlinge in Abu Shok kommen alle aus Dorfgemeinschaften, in denen jetzt der Bürgerkrieg herrscht; sie warten darauf, dass endlich ein Friedensvertrag geschlossen wird.

Der Darfur-Konflikt eskalierte bereits 2003, seitdem hilft das DRK. Was sind zurzeit unsere primären Aufgaben? Wie und womit wird geholfen?

Im Zentrum steht die medizinische Versorgung. Im Flüchtlingslager Abu Shok leitet das DRK in Kooperation mit dem Sudanesischen Roten Halbmond unter der Führung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes eine Klinik.

Diese Basisgesundheitsstation funktioniert wie eine große Arztambulanz: Eine medizinische Grundversorgung ist sichergestellt. Sind Patienten schwerer erkrankt oder steht eine komplizierte Entbindung bevor, die die Hebamme vor Ort nicht allein betreuen kann, transportiert das Rote Kreuz/der Rote Halbmond die Kranken in die von der Regierung betriebene Klinik in El Fasher.

In West-Darfur gibt es außerdem noch eine mobile DRK-Klinik, die sich um die medizinische Versorgung der Nomadenstämme kümmert.

Beteiligt sich das DRK auch an Wiederaufbau-Projekten in zerstörten Gebieten außerhalb der Flüchtlingslager?

Im Norden Darfurs hat der Wiederaufbau noch keine Chance, da der Krieg anhält. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich das DRK auch an Wiederaufbau-Projekten beteiligen wird, wenn die Gefechte ein Ende haben.

Wiederaufbau und Rückkehrer gibt es bis jetzt nur im Süd-Sudan, wo aber auch ein anderer Konflikt herrschte.

Welche Hilfsgüter werden besonders gebraucht? Wofür wird das Spendengeld vor Ort verwendet?

Primär werden medizinische Versorgungsgüter benötigt, wie auch Medikamente. Es gibt in Abu Shok immer wieder Epidemien, letztes Jahr eine Cholera-Epidemie, zurzeit grassiert Meningitis und aus dem Tschad greift eine Welle von Polio über. Dafür werden Arzneimittel gebraucht.

Da auch die Entbindungen zunehmen und wir nun fast jeden Tag eine Geburt hatten, haben wir in Kooperation mit UNICEF eine Impf-Ecke eröffnet, in der zwei ausgebildete Freiwillige besonders die Grundimmunisierung für Babys durchführen.

Wie schützen Sie sich selbst?

Gegen Meningitis und Polio bin ich natürlich geimpft.

Cholera ist eine Erkrankung, die aufgrund mangelnder Hygiene auftritt, und durch das geschwächte Immunsystem der oft entkräfteten, mangelhaft ernährten Flüchtlinge begünstigt wird. Insofern müssen wir Delegierten uns nicht besonders schützen – es reicht, wenn wir uns regelmäßig die Hände waschen, bestimmte, frische Lebensmittel nicht mehr essen und die Bereiche, in denen Cholera ausgebrochen ist, nur dann betreten, wenn es notwendig ist.

Für die Flüchtlinge, die hier im Lager leben, ist das meist schwieriger: Mehrere Familien teilen sich eine Latrine, viele Kinder wissen nicht, dass man diese für die Verrichtung der Notdurft nutzt und sich anschließend auch die Hände waschen sollte. Deswegen gehören Aufklärung über persönliche Körperpflege und Gesundheitserziehung auch zu den zentralen Aufgaben der Helfer. Einmal in der Woche gibt es eine kurze Fortbildung zu aktuellen Themen für alle eingesetzten Hilfskräfte, die vom Klinikarzt geleitet wird. Diese Multiplikatoren tragen die Informationen dann auch in ihre Familien und zu ihren Nachbarn. Einmal im Monat läuft zusätzlich eine Schulung für das medizinische Personal.

Wir Delegierten haben dabei unter anderem auch die Aufgabe, Unterlagen und Anschauungsmaterial zu besorgen, was man sich unter anderem bei UNICEF ausleihen kann.

Während der Cholera-Epidemie hat das DRK mit der Hilfsorganisation Enfants du Monde zusammengearbeitet und sogar Puppenspiele zum Thema Cholera aufgeführt. Dadurch haben wir Spaß und nützliche Hinweise verbunden.

Man hört immer wieder von der schwierigen Sicherheitslage – konnten Sie sich sicher fühlen? Worin liegt die Bedrohung? Gab es Überfälle auf das Rote Kreuz?

Grundsätzlich fühlt man sich schon sicher. Es gibt allerdings verschiedene Bedrohungen für Delegierte: Es gibt immer wieder Schießereien auch in El Fasher, was dann Ausgangssperren für uns bedeutet. Im Dezember war El Fasher von Aufständischen umzingelt, worauf auch eine Evakuierung nötig war. Die Belagerung hat sich aber nach Verhandlungen durch die Regierung aufgelöst.

In El Fasher ist die Bedrohung generell eher gering; die Sicherheitslage wird ab und an kritisch, wenn die Rebellen kommen.

Allerdings herrschte in den letzten Wochen und Monaten eine eher ausländerkritische Stimmung. So wurden auch Fahrzeuge der Hilfsorganisationen überfallen und geraubt. Das Deutsche Rote Kreuz hat bislang zum Glück noch keine Verluste erlitten

Frau Häusler, ich danke Ihnen für das Gespräch.

(16.03.2007)

 
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