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Somalia: Land am Abgrund

Das afrikanische Land Somalia schlittert immer tiefer in die Krise. Zu den gewaltsamen Zusammenstößen kommen Dürren, Fluten, explodierende Lebensmittelpreise.

Pascal Hundt, der scheidende Delegationsleiter des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zur Situation im Land am Horn von Afrika.Wir drucken Auszüge:

Seit April 2005 arbeiten Sie für die Rotkreuz-Delegation in Somalia. Wie hat sich die Situation verändert?

Eigentlich haben wir es mit einem Konflikt von verschiedenen Clans um Ressourcen zu tun. Doch über die letzten dreieinhalb Jahre ist der Konflikt komplexer geworden und hat sich zugespitzt. Das Prinzip der unabhängigen und neutralen humanitären Hilfe ist kaum verstanden und wenig akzeptiert. Selbst humanitäre Helfer stehen unter dem Druck, sich auf die eine oder andere Seite der Kontrahenten zu schlagen. Eine Abfolge von schweren Dürren und Überflutungen, kombiniert mit der globalen Lebensmittelkrise hat die Situation weiter verschlimmert. Dazu kommt die galoppierende Inflation mit bis zu 600 Prozent.

Das somalische Volk leidet seit Jahren, Wie gehen die Menschen mit der Situation um?

Es wird für sie immer schwieriger. Hunderttausende in Somalia sind vertrieben worden. Die meisten Menschen leben in offenen oder in improvisierten Lagern – weit weg von jedweder medizinischer Versorgung, viele sind verletzt oder wurden getötet. Die wachsende Unsicherheit und die extrem fragile Wirtschaft gefährden das Überleben mancher ländlicher Gemeinschaften.

Aus der Hauptstadt Mogadischu wandern viele ab. Tausende versuchen das Land zu verlassen und fliehen nach Kenia oder in den Mittleren Osten und versuchen weiter nach Europa zu kommen. Ein Großteil der Bevölkerung ist auf Hilfe von außen angewiesen. Das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall

Wie kann man in einem solchen Land als Rotes Kreuz arbeiten?

Als erstes muss man extrem flexibel sein und wir müssen akzeptieren, dass wir nicht immer das tun können, was wir wollen. Zum zweiten müssen wir enge Beziehungen zu den örtlichen Gemeinschaften pflegen, zu unseren somalischen Mitarbeitern, zum Somalischen Roten Halbmond und zu allen Konfliktparteien. Es ist nur ihrem Vertrauen zu verdanken, dass wir immer noch in der Lage sind, in Somalia zu arbeiten. Wir haben eine Verpflichtung gegenüber den Opfern in Somalia, gegenüber den Empfängern der Hilfe und genau so gegenüber den Spendern.

Die größte Herausforderung?

Die Sicherheitslage. Viele Kollegen anderer Hilfsorganisationen wurden entführt. Menschen werden gegen ihren Willen festgehalten. Es ist sehr schwer die Balance zu finden zwischen den Risiken, die wir tragen können und dem, was wir erreichen wollen. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, die Risiken so klein wie möglich zu halten.

Überblick über die Projekte in Somalia

Das IKRK bemüht sich in Somalia die Menschen mit dem Überlebensnotwendigen zu versorgen. Das können Nahrungsmittel in Flüchtlingslagern sein oder die Ausstattung mit Haushaltsgeräten für diejenigen, die auf der Flucht alles verloren haben.

Das Deutsche Rote Kreuz arbeitet im Norden und im Nordosten Somalias. Dort ist die Situation ebenfalls schwierig, aber etwas ruhiger als in der Hauptstadt Mogadischu im Süden. Dort in Somaliland, im Norden des Landes, geht es gemeinsam mit dem Somalischen Roten Halbmond um Wasser- und Hygieneprojekte. Diese wurden von der EU und der UN finanziert. Das DRK und die nationale Gesellschaft verbessern durch Baumaßnahmen den Zugang zu Trinkwasser, gestalten und verbessern das Wassermanagement in den Kommunen und trainieren die Gemeinden in Hygieneverhalten. Das aktuelle Projekt läuft seit Dezember 2007 bis November 2009 und hat ein Finanzvolumen von 1,7 Mio. Euro.

Außerdem unterstützt das Deutsche Rote Kreuz seit 2000 vier Kliniken in Somaliland und in Puntland im Nordosten. Die Kliniken versorgen die Bevölkerung mit Basisgesundheit. Dazu gehören auch Angebote für Mütter mit ihren Kindern. Beide Projekte laufen bis 2010 und haben ein Finanzvolumen von je 1 Mio. Euro.

Schon mehr als zwei Jahre unterstützt das Deutsche Rote Kreuz den Somalischen Roten Halbmond dabei, ein Projekt gegen weibliche Genitalverstümmelung durchzuführen. Nun wurde das Projekt für die nächsten fünf Jahre (mit einem Finanzvolumen von ca. 250.000 Euro) verlängert.

(01.07.2008)

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