Somalia: Aufklärungskampagnen gegen die Beschneidung von Frauen
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kämpft gegen die Beschneidung von Mädchen und jungen Frauen in Somalia. In Zusammenarbeit mit dem Somalischen Roten Halbmond werden Frauen in Kliniken beraten, aufgeklärt und zur Behandlung an Krankenhäuser vermittelt. Zusätzlich wird gezielt auf politisch einflussreiche Personen und religiöse Würdenträger eingewirkt, um ein gesetzliches Verbot der Beschneidung und eine gesellschaftliche Ächtung zu erreichen.
Am Horn von Afrika gehört die Beschneidung der Genitalien zum Schicksal von rund 97% aller Frauen. Sie gilt als angebliches Zeichen von Jungfräulichkeit und Würde einer zukünftigen Ehefrau. In einigen islamischen Gemeinschaften Somalias wird die Beschneidung als religiöse Vorschrift angesehen. Trotz des unbeschreiblich schmerzhaften, gefährlichen Eingriffs beugen sich die somalischen Frauen der Tradition – denn nur beschnittene Mädchen sind heiratsfähig. Und die Ehe ist ein Garant für ihr gesellschaftliches und ökonomisches Überleben.
Trauma-Zentrum für beschnittene Frauen
"In der Hochzeitsnacht verdächtigte mich mein Ehemann, dass ich einen Penis zwischen meinen Beinen hätte. Er beriet sich mit seiner Familie und sie kamen zu dem Schluss, dass ich eine Mischung aus Mann und Frau sei und dass eine Scheidung sofort stattzufinden habe", schildert die 26jährige Aman (Name geändert) unter Tränen. Sie wurde wie viele andere im "FGM-Trauma-Centre" (FGM = Female Genital Mutilation) in der Provinzhauptstadt Hargeisa behandelt. Ihr wurde eine Zyste operativ entfernt, die sich aufgrund der Verstümmelungen gebildet hatte.
Aufklärung und Betreuung
Der Somalische Rote Halbmond betreibt im Norden Somalias acht Kliniken, vier davon unterstützt das Deutsche Rote Kreuz. Hier werden die Opfer medizinisch und psychologisch betreut und in Schulungen über die Gefahren der weiblichen Beschneidung aufgeklärt. "Auf Grund der tiefen Verwurzelung der Beschneidungs-Praktiken in den Traditionen der Gesellschaft Somalias ist mit einer kurzfristigen Änderung des Verhaltens nicht zu rechnen. Daher arbeiten wir mit einer langfristigen Aufklärungskampagne auf eine langsame Bewusstseins- und Verhaltensänderung hin", sagt Regine Schäfer-Radojicic, Leiterin des Sachgebietes Afrika im DRK-Generalsekretariat. Die Kampagne des DRK und seiner somalischen Schwestergesellschaft ist auf unterschiedliche Zielgruppen abgestimmt: Die breite Masse der Bevölkerung wird auch in den abgelegenen Gegenden Somalias in Aufklärungsveranstaltungen über die gesundheitlichen und psychischen Gefahren und Folgen der weiblichen Beschneidung informiert. Hebammen sowie das medizinische Personal der Kliniken werden im Umgang mit betroffenen Patientinnen besonders geschult, und Praktikern der Beschneidung wird durch ein Angebot zur Umschulung zu traditionellen Geburtshelfern eine neue Existenzgrundlage aufgezeigt und ermöglicht.
Gesetzliches Verbot und gesellschaftliche Ächtung
Um ein gesetzliches Verbot der Beschneidung und eine gesellschaftliche Ächtung zu erreichen werden auch politisch einflussreiche Personen und religiöse Würdenträger besonders einbezogen. Die bisherigen Maßnahmen haben bereits eine Bewusstseinsöffnung und Bereitschaft der Bevölkerung bewirkt, die Problematik offener anzusprechen und zu diskutieren. Das ist bereits ein großer Fortschritt und Erfolg. Doch allen Beteiligten ist klar, dass eine dauerhafte Verhaltensänderung noch jahrelange und kontinuierliche Arbeit erfordern wird.Das Deutsche Rote Kreuz kämpft für die vollständige Abschaffung der weiblichen Beschneidung.
(16.04.2007)






