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Porträts der Cholera-Helfer

Porträt Claus Muchow

Foto: Claus Muchow mit Rotkreuz-Weste und Rotkureuz-Basecap im Gespräch mit einem Rotkreuz-Helfer aus Simbabwe

Claus Muchow hat schon viel gesehen im Einsatz für das Rote Kreuz. Der 50-jährige Bezirksschornsteinfermeister aus dem münsterländischen Steinfurt war auf Sri Lanka und in Pakistan, im Tschad und in Lettland – immer um Menschen in Not zu helfen. Doch die Wintersonne in Simbabwe macht ihm im Moment zu schaffen. Trotz Hut und Tuch sind die Ohren und die Lippe schlimm verbrannt, auch auf den Händen ist die Haut stark gerötet. „Bin wohl für diese Gegend nicht der passende Hauttyp“ meint der rotblonde  Rotkreuz-Wasserexperte schmunzelnd.

Dort, wo Muchow mit seinem Team für sauberes Wasser sorgt, ist die fruchtbare Hochebene im Zentrum des südafrikanischen Landes. Das Städtchen Gweru ist eine typische veramte Landgemeinde. Das Wasserwerk marode und funktionsuntüchtig. Muchow hat es mit seinen Leuten wieder zum Laufen gebracht und Einheimische angelernt, damit die Menschen in Gweru auch dann noch sauberes Wasser haben, wenn die Rotkreuzler schon längst wieder auf dem Heimweg sind.

„Die haben hier nix“ sagt Claus Muchow “und trotzdem kommt hier kein Werkzeug weg. Es wird nicht geklaut. Die sind dankbar, dass wir helfen.“
Und Claus Muchow kümmert sich nicht nur darum, dass das Wasser fließt. Er koordiniert auch die Aufklärungsmaßnahmen zur Hygiene. “Das war und ist eigentlich ein entwickeltes Land. Wir müssen den Leuten nicht erklären, wie man sich die Hände mit Seife wäscht“. Aber man müsse auch die nationalen Rotkreuz-Kräfte schulen, wie man sich unter schlechten Vorraussetzungen gegen die Ausbreitung der Seuche schützen kann. „Wir verteilen Wasserentkeimungstabletten und Seife – manche Menschen sind so arm, die haben noch nicht einmal Geld für Seife“. Wenn er aus so einem Land wiederkomme, könne er den Wohlstand und den Frieden in Steinfurt erst richtig schätzen.

Porträt Gerhard Tauscher

Foto: Gerhard Tauscher mit Rotkreuz-Weste

Gerhard Tauscher (43) ist so etwas wie ein alter Hase in Sachen Katastrophen. Er war nach den Erdbeben im Iran und in Pakistan. Er hat in Myanmar (Birma) nach dem Zyklon im Mai 2008 einheimische Helfer an der Trinkwasseraufbereitungsanlage ausgebildet. Das Gleiche hat er nun in Simbabwe organisiert. Seit 24 Jahren ist er beim Roten Kreuz, seit 17 Jahren bei Katastrophen im Einsatz. „Wenn ich alle Länder zusammen zähle, in denen ich schon war, komme ich auf dem Landweg bis nach Thailand, ohne in ein Land zu kommen, dass ich noch nicht kenne.“

Hier sind wie so oft auch seine diplomatischen Fähigkeiten gefragt. Wer hat hier wo das Sagen, wenn muss man auf jeden Fall einbinden, wo können die Rotkreuzler unterkommen, was sind die Sicherheitsbestimmungen für das Team in einem politisch so labilen Land wie Simbabwe. Egal was kommt, Gerhard Tauscher bleibt freundlich, ruhig und gelassen. Wenn er flucht, dann nur wenig. Er meint, es höre niemand.

Und wenn alles ruhig ist, dann skypt er am Abend mit Frau und Kindern. „Den Ausgleich brauche ich schon, nach Hause kommen, Kanu fahren auf dem Rhein oder klettern – einfach abschalten. Wenn man die Schicksale der Menschen, denen man begegnet zu nah an sich ranlässt, dann kann man diese Arbeit nicht machen“.

Porträt Carsten Busskamp

Foto: Carsten Busskamp in Rotkreuz-Weste grinst in die Kamera

Stillsitzen ist nicht seine Sache. Der 30-jährige aus Dingden bei Wesel will immer gleich loslegen, anfangen „was tun“. Zur großen Freude des Teams ist er daneben mit eine Fülle an Anekdoten und Dialekten ausgestattet, so dass es nie langweilig wird, auch wenn’s mal nicht so voran geht. Für sauberes Wasser zu sorgen und die Leute über den Schutz vor Seuchen aufzuklären, dass liegt ihm sehr am Herzen. „Sauberes Wasser ist der Schlüssel, um soviel Leid und Elend zu verhindern.“

In Deutschland arbeitet Carsten Busskamp beim Wasserwerk. Er kennt sich also gut aus. Und da ist er in Simbabwe schon manchmal entsetzt, in welchem Zustand die Wasserversorgung nach Jahrzehnten des wirtschaftlichen Niedergangs ist. Auf der anderen Seite reizt ihn der Zwang zur Improvisation: „Wenn hier was fehlt, gehste mal nicht eben zum Baumarkt und holst das fehlende Teil.“

Carsten Busskamp war schon in Indonesien und Pakistan. In Simbabwe war es trotzdem noch einmal neu für ihn, die krassen Unterschiede zwischen arm und reich zu erleben. Während vor der Bank Menschenschlagen darauf warten, das fast wertlose Geld abzuholen, steht gegenüber ein Rolls Royce Silver Claire für eine Hochzeitgesellschaft bereit. „Man muss das so nehmen, wie es ist, aber es fällt mir nicht leicht.“

Das emotionalste Erlebnis seiner Arbeit als Katastrophenhelfer bleibt allerdings die Geburt des kleinen Urs nach dem Tsunami in Indonesien. Obwohl das Team alles versuchte und die Rotkreuzler noch Blut spendeten, starb die junge Frau unter der Geburt. Sie verblutete. Die Familie war aber dankbar, dass alles versucht worden war und so wurde das Kind nach dem Rotkreuz-Arzt benannt. „Das geht mir heute noch unter die Haut“.

Zuhause ist Carsten Busskamp im DRK-Ortsverein Dingden engagiert. Und er kümmert sich mit seiner Frau mit viel Freude um die drei Vierbeiner im Hause Busskamp: zwei Shetlandponies und ein Dülmener Wildpferd.

Porträt Marcus Richter

Foto: Marcus Richter in Rotkreuz-Jacke und Rotkreuz-Basecap

Marcus Richter strahlt viel Vertrauen aus. Der 31-ährige aus Witten arbeitet normalerweise im Blutspendedienst und muss da manchem nervösen Blutspender gut zureden. Und so blieb er auch ruhig, als vor Weihnachten der Anruf kam und ihn nach Simbabwe bat. Abenteuerlich war bereits der Flug in der Frachtmaschine, in der die große Trinkwasseraufbereitungsanlage, die insgesamt Wasser für 40.000 Menschen reinigen kann, transportiert wurde. „Beim Start und bei der Landung im Cockpit so einer DC 10 sein zu können, ist schon ein tolles Erlebnis“ meint Marcus Richter.

Er ist Rotkreuzler von ganzem Herzen: „Dass Bewusstsein helfen zu wollen, ist in jedem Menschen verankert. Ich bin mit diesem Gedanken aufgewachsen“ meint er. Seit 20 Jahren ist er für das DRK aktiv, vier Jahre ließ er sich für Ausländseinsätze ausbilden. Trotzdem wisse man nie, was einen erwarte.

Beim Einsatz in Simbabwe kümmert er sich um die Finanzen. „Die Spender sollen wissen, dass wir mit Geld sorgsam umgehen“, so der Wittener. Und es nicht ganz einfach in einem maroden afrikanischen Land für alle Einkäufe lesbare und nachvollziehbare Quittungen zu bekommen. Aber Marcus Richter bleibt dran.
Weihnachten ohne die Freundin war nicht einfach. „Und auf schöne Afrika-Souvenirs wird sie wohl auch verzichten müssen. Die meisten Läden hier sind leer“.

(08.01.2009)

© Fotos: DRK

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