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Ruanda: Nothilfe für Vertriebene

Seit Mai 2006 werden Personen ruandischer Herkunft gewaltsam aus Tanzania vertrieben. In einem Auffanglager des Roten Kreuzes in Ruanda haben bereits mehr als 16.000 Vertriebene Schutz gefunden.

Mit leeren Händen in einem fremden Land

Für Josephine ist es ein Tag wie jeder andere, als sie früh morgens zur Feldarbeit aufbricht. Doch bei ihrer Rückkehr findet sie abends anstatt ihrer Hütte nur noch einen rauchenden Trümmerhaufen vor. Ihr Mann ist verschwunden. Ohne etwas von ihren Habseligkeiten retten zu können, werden sie und ihre Kinder von Bewaffneten in einen geschlossenen Laster gesperrt. Nach drei Tagen der Verzweiflung und der Ungewissheit wird Josephine in Ruanda ausgeladen - mit leeren Händen in einem Land, dessen Sprache sie nicht spricht.

Endlich in Sicherheit

Jeden Tag kommen Leute wie Josephine im Auffanglager des Roten Kreuzes in Kirehe an. Viele von ihnen sind Frauen mit Kindern, die von ihren Männern getrennt wurden. Freiwillige des Ruandischen Roten Kreuzes versorgen sie sofort mit Wasser, Nahrung und den notwendigsten Gegenständen des täglichen Bedarfs. In einem von 350 Zelten finden die Vertriebenen Schutz vor Regen, Sonne und den allgegenwärtigen Mücken. Doch eine Antwort auf die Frage, die ihnen am wichtigsten ist, können, können ihnen auch die Rotkreuzhelfer nicht geben: Leben die Verwandten noch? Und wo befinden sie sich?

Kein Alltag

Auch nach 6 Monaten Arbeit im Auffanglager kommt für die Rotkreuzfreiwilligen kein Alltag auf: Wenn wieder einmal um vier Uhr morgens ein Laster hundert Neuankömmlinge ablädt, ist für sie die Nacht zu Ende. Die Vertriebenen werden zunächst registriert und erhalten dann Decken, Schlafmatten, Wasserkanister, Seife und Küchen-geschirr. Auch Kleidung, Damenbinden und Waschschüsseln für Babys dürfen nicht fehlen. Eine Sozialarbeiterin kümmert sich dabei um diejenigen, die während der Vertreibung am schlimmsten traumatisiert wurden. Sie und die anderen Rotkreuzhelfer hören täglich Geschichten über Mißhandlungen, Vergewaltigungen, Schmerz und Ungewissheit. Doch Angélique, die Campleiterin, spricht den Freiwilligen aus der Seele, wenn sie sagt: "Die Arbeit im Lager ist hart, aber wir tragen eine Verantwortung, diesen Leuten zu helfen. Und ihre Dankbarkeit entschädigt uns für durchwachte Nächte im Regen und einen 14-Stunden-Arbeitstag."

Starthilfe in ein neues Leben

Mit Unterstützung der Deutschen Regierung und Dank des Engagements seiner Freiwilligen konnte das Rote Kreuz den Aufbau und Betrieb des Auffanglagers meistern, obwohl das Lager anfangs nur für 1.000 Personen geplant war. Seit November finanziert das Bundesministerium für Zusammenarbeit zudem die Verteilung von Nothilfe-Kits. Diese enthalten neben den wichtig-sten Haushaltsgegenständen auch Werkzeuge, damit die Vertriebenen sich später eine Hütte bauen und ihr Feld bestellen können. Denn zurück nach Tanzania will niemand von ihnen.

Eine Verantwortung für die Zukunft

Inzwischen rechnet das Rote Kreuz mit weiteren 50.000 Vertriebenen. Um diese aufnehmen zu können, muss das Lager weiter ausgebaut werden. Und schon jetzt ist klar, dass der Bedarf an Hilfe durch das Rote Kreuz auch in den Wiederansiedlungsgebieten groß ist. Ohne regendichte Hütten, ohne sauberes Trinkwasser, ohne hygienische Toiletten und ohne Gesund-heitsversorgung werden die Vertriebenen dort von einer Vielzahl von Krankheiten bedroht. Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass das Rote Kreuz seiner Verantwortung für die Vertriebenen auch in Zukunft gerecht werden kann.

(01.02.2007)

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