Äthiopien: Kampf gegen HIV/Aids
In der Region Beneshagul-Gumuz im Westen Äthiopiens zählen Malaria und Tuberkulose zu den häufigsten Todesursachen. Vor allem Menschen, dir bereits durch eine HIV-Infektion geschwächt sind, haben keine Chance gegen diese Krankheiten. Rund 670.000 Bewohner zählt die Provinz. Das Deutsche Rote Kreuz bietet für die Bevölkerung verschiedene HIV-Programme an, um über Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten von HIV/Aids aufzuklären und die Zahl der Neu-Infektionen nachhaltig zu senken.
Region: Benishangul-Gumuz
Laufzeit: Juli 2007 - Dezember 2011
Projektvolumen: 898.321 Euro, davon 673.741 € von der EU
Finanzierung: Europäische Union und Spenden
Partner: Äthiopisches Rotes Kreuz
Unterstützung für die Jüngsten
„Ferengi, ferengi“ hört Jürgen Herbig des Öfteren, wenn er durch Assosa oder eines der Dörfer in der Provinz Beneshagul-Gumuz geht. Einen „Fremden“– das sehen die Kinder in dem Delegierten des Deutschen Roten Kreuzes, der seit drei Jahren in der Region, 700 Kilometer westlich der Hauptstadt Addis Abeba, ein AIDS-Projekt leitet.
Der HI-Virus hat eines der ärmsten Länder der Welt trotz einer sinkenden Zahl von Neu-Infektionen noch immer fest im Griff. Schätzungsweise 700.000 Kinder in Äthiopien haben durch Aids mindestens ein Elternteil verloren. Viele weitere habe eine elternlose Zukunft. Vor sich. Ihre einzige Hoffnung sind die freiwilligen Helfer des Roten Kreuzes, die sich um sie und ihre Familien kümmern und die Kinder beispielsweise mit Schuluniformen und Unterrichtsmaterialien ausstatten.
Gegen die Stigmatisierung von HIV/AIDS
Das Thema Aids ist in Äthiopien noch immer tabu. Um die Menschen vor Stigmatisierung zu bewahren, werden die Aids-Kranken und HIV-Infizierten von freiwilligen Rotkreuz-Helferinnen und –Helfern zuhause besucht. Ungefähr 500 Patienten werden derzeit in ihren Hütten betreut und gepflegt. Der Umgang mit der Immunkrankheit muss vor allem Familienangehörigen nahe gebracht werden: HIV/Aids ist für die meisten Äthiopier ein Thema, über das nicht geredet wird, das keiner zugeben möchte, mit dem man nicht in Berührung kommen möchte.
Das Rote Kreuz begegnet der Tabuisierung von HIV/Aids mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Konzept, der sogenannten „peer education“. In Schulen oder Freizeitheimen wurden bereits 2.400 Betroffene mit speziellen Informationsmaterialien über die Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten von HIV/Aids aufgeklärt. Sie alle haben ihr Wissen anschließend an mindestens eine weitere Person aus ihrem persönlichen Umfeld weitergegeben und so direkt an der HIV-Prävention vor Ort mitgewirkt.
Öffentliche Informationsveranstaltungen entfalten ihre Wirkung
Auch die großen Menschenansammlungen auf den Märkten nutzen die Rotkreuz-Helfer, um breit angelegte HIV-Tests durchzuführen und über die unheilbare Krankheit zu informieren. “Diese Maßnahmen werden von der Bevölkerung sehr gut angenommen“, sagt der DRK-Delegierte Jürgen Herbig.
Mehr als 13.000 Menschen in der Region konnten auf diese Weise bereits für den Umgang mit der Immunschwäche-Krankheit sensibilisiert werden, weitere 1.300 Personen nahmen den Beratungsservice der mobilen Kliniken in Anspruch. Mit Erfolg: Die Zahl der Neu-Infektionen konnte in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden. Und Jürgen Herbig fühlt sich längst nicht mehr nur als „ferengi“.
© Fotos: DRK/ J.Herbig, Karte: Geoatlas®
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