„Der Dienst ist gut gestartet!“
Das Deutsche Rote Kreuz ist mit rund 11.000 Plätzen für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) größter Anbieter in diesem Bereich. Seit dem Wegfall des Zivildienstes zum 1. Juli 2011 bietet das DRK im Bundesfreiwilligendienst (BFD) 2.513 Plätze an. Nicht allen BFD-Bewerbern kann eine Stelle angeboten werden, da die Nachfrage deutlich die Zahl der vom Bund geförderten Plätze übersteigt. Im Interview nimmt der Vorsitzende des Vorstands und DRK-Generalsekretär Clemens Graf von Waldburg-Zeil Stellung zur aktuellen Situation.

- DRK-Generalsekretär Clemens Graf von Waldburg-Zeil
Im Sommer 2011 endete der Zivildienst. Wie hat sich der neue Bundesfreiwilligendienst etabliert?
Waldburg-Zeil: Das DRK ist, wenn es um Ehrenamt und Freiwilligendienste geht, führend in Deutschland. Wir hatten daher die Initiative der Bundesregierung, aus dem Zivildienst freiwerdende Gelder für die Freiwilligendienste zu sichern, sehr begrüßt. Eine anfängliche Skepsis, nicht das FSJ auszubauen, sondern ein neues Format, den Bundesfreiwilligendienst, einzuführen, wurde überwunden. Er ist jetzt gut angenommen. Für die 16- bis 27-Jährigen ist die Art des Einsatzplatzes das entscheidende Auswahlkriterium. Ob es sich bei dem Förderprogramm um den Bundesfreiwilligendienst oder das Freiwillige Soziale Jahr handelt, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Zusätzlich gibt es jetzt eine neue Möglichkeit für Interessierte über 27 Jahre.
Bedeutet dies, dass der Bundesfreiwilligendienst in Ihren Augen ein voller Erfolg ist?
Waldburg-Zeil: Der Bundesfreiwilligendienst ist vielversprechend gestartet und wir würden im Roten Kreuz gerne über die 2 513 Plätze hinaus noch mehr zur Verfügung stellen. Wir könnten doppelt so viele Plätze besetzen. Aber der Bund fördert insgesamt 35 000 Plätze und dieses Kontingent ist bereits ausgeschöpft. Wir fordern daher von der Bundesregierung eine Aufstockung ab 2013. Der Bedarf ist vorhanden.
Worauf führen Sie die große Zahl der Bewerber für FSJ und BFD zurück?
Waldburg-Zeil: Viele Jugendliche und junge Erwachsene wollen nach der Schulzeit eine sinnvolle Orientierungsphase einlegen. Damit einher geht oftmals die Frage „Was könnte der richtige Beruf für mich sein?“. Oder sie suchen nach einer Möglichkeit, wie sie die Wartezeit bis zur Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums sinnvoll überbrücken können. Im Rahmen eines Freiwilligendienstes haben die jungen Leute die Möglichkeit, sich zu orientieren, in Berufe reinzuschnuppern und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Beim Bundesfreiwilligendienst können außerdem die über 27-Jährigen ihre Berufs- und Lebenserfahrung weitergeben oder sich in Zeiten des berufl ichen Umbruchs neu orientieren. In jedem Fall ist die große Bewerberzahl ein herausragender Beweis für die Bereitschaft gerade auch junger Menschen, sich für unsere Gesellschaft einzusetzen.
Gibt es „typische“ Freiwilligendienste, also Einsatzgebiete, die besonders beliebt sind?
Waldburg-Zeil: Das DRK bietet eine ganze Bandbreite von spannenden Einsatzfeldern. Insbesondere Angebote in sozialen Einrichtungen, in medizinischen Bereichen und im Rettungsdienst sind sehr beliebt. Viele Freiwillige wünschen sich vor allem Kontakt zu Menschen, sei es zu Kindern oder Senioren oder Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus versuchen wir auch Einsatzplätze im Zivil- und Katastrophenschutz anzubieten und Einsatzfelder zu kombinieren.
Sind es nur junge Leute, die Interesse zeigen?
Waldburg-Zeil: Es bewerben sich überwiegend junge Menschen, wobei mit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes im Sommer 2011 die Zahl der Bewerbungen von über 27-Jährigen zugenommen hat. Diese Art Freiwilligendienst muss sich noch etablieren und die nötigen fi nanziellen Ressourcen müssen dauerhaft zur Verfügung gestellt werden. Damit auch jeder Interessierte einen Platz bekommen kann.
Kann der Wegfall der Zivildienstleistenden in vollem Umfang aufgefangen werden?
Waldburg-Zeil: Wie der Name „Freiwilligendienst“ schon sagt, ist dieser Dienst freiwillig. Die Bewerber entscheiden sich nach ihren Interessen und der Attraktivität der Aufgabe für einen Einsatzort oder eben dagegen. Der neue Bundesfreiwilligendienst lässt sich daher nicht mit dem Zivildienst vergleichen. Die sozialen Träger haben schon vor Jahren begonnen, Zivildienstplätze wo möglich mit FSJ-Stellen und geringfügig Beschäftigten zu besetzen, um so erst den zahlenmäßigen Rückgang, die Verkürzung und schließlich den Wegfall des Zivildienstes mit auszugleichen. Der BFD hilft zusätzlich; ein vollständiger Ausgleich der ursprünglich 90 000 Zivildienstplätze ist jedoch nicht möglich. Der große Andrang in den Freiwilligendiensten zeigt aber, dass dies grundsätzlich möglich wäre, wenn die Bundesförderung in BFD und FSJ erhöht würde.
Welche Qualifikationen muss jemand mitbringen, der sich für das Freiwillige Soziale Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst interessiert?
Waldburg-Zeil: Bewerberinnen und Bewerber müssen für beide Dienste mindestens 16 Jahre alt, motiviert und offen sein und die Pflichtschulzeit beendet haben. Das FSJ muss bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres angetreten werden. Darüber hinaus gibt es keine besonderen Voraussetzungen.
Wie lange dauert ein Einsatz im Bundesfreiwilligendienst und welche Leistungen bietet das DRK?
Waldburg-Zeil: Ein Bundesfreiwilligendienst dauert in der Regel zwölf Mo nate. Viele Freiwillige entscheiden sich für das DRK, weil es eine große Bandbreite an interessanten Einsatzfeldern bietet. Das DRK ist Träger von Krankenhäusern, Altenpfl egeeinrichtungen, Kindergärten, Behindertenwerkstätten und führend im Zivilund Katastrophenschutz; im FSJ betreuen wir auch externe Einsatzstellen bei Kommunen. Wir legen besonderen Wert auf die Betreuung und Begleitung der Freiwilligen. Die DRK-Träger lassen die Qualität ihrer Angebote regelmäßig durch externe Audits prüfen und verfügen über entsprechende Qualitätssiegel wie „Quifd“ von der Agentur für Qualität in Freiwilligendiensten.
Gibt es in anderen Ländern vergleichbare Einrichtungen wie die Freiwilligendienste? Und kann man von deren Erfahrungen profi tieren?
Waldburg-Zeil: Innerhalb von Europa gibt es seit Mitte der 90er Jahre den „Europäischen Freiwilligendienst“, der Freiwilligen aus allen europäischen Ländern offen steht. Das DRK entsendet im Rahmen dieses Programms jährlich Freiwillige ins Britische Rote Kreuz. Darüber hinaus gibt es in einigen Ländern vergleichbare Programme. In Italien wurde mit der Aussetzung der Wehrpfl icht der „Servizio Civile Volontario“ etabliert, in Frankreich im vergangenen Jahr der „Service Civique“ eingeführt. In Großbritannien wird momentan ein Kurzzeitfreiwilligendienst „National Citizen Service“ unter Beteiligung des Britischen Roten Kreuzes erprobt. Das DRK ist hierzu mit den britischen Kollegen im Austausch, ebenso wie mit unseren Kollegen im Österreichischen Roten Kreuz.






