Sie sind hier: Presse » Presseinformationen » Zusammenfassung Weltkatastrophenbericht 2011: Hunger und Unterernährung

Zusammenfassung Weltkatastrophenbericht 2011: Hunger und Unterernährung

53a/11

Der Weltkastrophenbericht (englisch) zum Download als pdf [33,38MB].

Kapitel 1: Das globale Ernährungssystem

Obwohl die Welt genug Nahrungsmittel produziert, um jeden satt zu bekommen, müssen 2011 fast eine Milliarde Menschen hungrig zu Bett gehen. Der Weltkatastrophenbericht analysiert die Gründe für Hunger und Unterernährung und macht einige Lösungsvorschläge. Heute werden mehr Menschen als je zuvor ernährt, da die Weltbevölkerung seit den 70er Jahren um rund 50 Prozent gewachsen ist. Trotzdem war die Zahl unterernährter Menschen im Jahr 2010 mit 925 Millionen höher als Anfang der 70er Jahre (FAO, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN). Die meisten unterernährten Menschen leben demnach in ländlichen Regionen im asiatisch pazifischen Raum und im subsaharischen Afrika. Eine wachsende Anzahl der Hungrigen der Welt lebt in Städten. Auch Menschen aus Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen entkommen dem Hunger nicht. Das erste der UN-Milleniumsziele, nämlich die Anzahl der hungernden und unterernährten Menschen zu halbieren, wird mit größter Wahrscheinlichkeit nicht erreicht. Unterernährung ist immer noch weit verbreitet: Mindestens eine Milliarde Menschen sind unterernährt während 1,5 Milliarden Menschen übergewichtig sind. Die Autoren des Weltkatastrophenberichts führen aus, dass der Klimawandel eine weitere Herausforderung für die zukünftige Ernährung der Weltbevölkerung darstellt. Hinzu kommen der Wettlauf um Rohstoffe, inklusive Wasser und Land, zunehmend soziales Ungleichgewicht und weiterhin hohe Rüstungsausgaben.

Kapitel 2: Die Katastrophe der Unterernährung

Jedes Jahr sterben auf der ganzen Welt rund neun Millionen Kinder, bevor sie fünf Jahre alt sind. Rund ein Drittel dieser Todesfälle ist auf Unterernährung zurückzuführen. Heute leiden rund 178 Millionen Kinder unter einem gehemmten Wachstum aufgrund von Unternährung. Problematisch sind vor allem die ersten 1000 Tage zwischen der Empfängnis und dem zweiten Geburtstag eines Kindes. Unternährung während der fötalen Phase ist zur Hälfte für das gehemmte Wachstum von Kindern bis zum zweiten Lebensjahr verantwortlich.
Die Gründe für die steigende Anzahl von Übergewichtigen weltweit sind zahlreich und komplex. Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung und zunehmende Urbanisierung in vielen Ländern haben zu veränderten Essgewohnheiten geführt. Neben den vielen Millionen Menschen, die nie genug zu essen bekommen, um satt zu werden, gibt es rund zwei Milliarden, die weder genug Vitamine noch Mineralien mit ihrer Nahrung aufnehmen. Die Gründe für Hunger und Unterernährung sind vielschichtig. Dazu gehören mangelnde Investitionen in die Landwirtschaft, Klima-Wandel, schwankende Kraftstoffpreise, Spekulationen und die Kräfte globaler Märkte. Doch einer der schädlichsten Faktoren ist die Geschlechter-Diskriminierung. 60 Prozent der unterernährten Menschen sind Frauen. In manchen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit für Mädchen an Unterernährung oder vermeidbaren Krankheiten zu sterben, doppelt so hoch wie für Jungen.

Kapitel 3: Preis-Instabilität auf den globalen Nahrungsmittelmärkten

Eine neue Inflation der Lebensmittelpreise 2010 bis 2011 hat gezeigt, dass die Welt einem großen Problem bezüglich instabiler landwirtschaftlicher Märkte und unstetiger Lebensmittelpreise gegenübersteht. 13 Menschen wurden in Mosambik aufgrund von Lebensmittel-Aufständen getötet. Lebensmittelpreise waren auch Auslöser für die Proteste des "Arabischen Frühlings".
Steigende Lebensmittelpreise werden mit einer Abnahme in der Produktion und geringen Vorräten sowie einem Anstieg der Nachfrage in aufstrebenden Volkswirtschaften erklärt. Weitere Gründe sind der verstärkte Anbau von Pflanzen für Agrartreibstoff, Handelsregulierungen und Finanzspekulationen.
Ein Anstieg in der Nahrungsmittelproduktion wurde durch mangelnde Ressourcen und die Folgen des Klimawandels verlangsamt. Mögliche Maßnahmen, um den Druck auf die globalen Nahrungsmittelmärkte zu verringern, sind neben einer Regulierung der Finanzmärkte auch ein Verzicht auf Agrartreibstoff. Es sind mächtige Kräfte, die heutzutage die Unsicherheit bei den Lebensmittelpreisen vorantreiben: die Energie-politik in reichen Ländern, die politische Instabilität in Öl exportierenden Ländern, die profit-orientierten Geschäfte von Finanz-Unternehmen und der globale Klimawandel. Es ist unwahrscheinlich, dass all diese Probleme gleichzeitig gelöst werden können. Die Sprunghaftigkeit bei den Lebensmittelpreisen wird also anhalten. Die Zeiten, in denen man von niedrigen Lebensmittelpreisen ausgehen konnte sind vorbei.

Kapitel 4: Stabilität durch soziale und landwirtschaftliche Absicherung

Die Weltbevölkerung wird bis Mitte unseres Jahrhunderts voraussichtlich von sieben auf neun Milliarden Menschen ansteigen. Durch die veränderten Ernährungsweisen muss sich die Lebensmittelproduktion verdoppeln. Investitionen in die Landwirtschaft sind unabdingbar. Dabei stellt sich vor allem in Afrika die Frage, ob diese Investitionen sich auf Kleinbauern und Viehhalter oder auf große industrielle Landwirtschaft konzentrieren sollten. Die Befürworter von Letzterem sind der Ansicht, dass die Landwirtschaft im subsaharischen Afrika gescheitert ist. Sie machen die kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft dafür verantwortlich, dass die Nahrungsmittelproduktion dort wieder auf das Niveau von 1960 gesunken ist. Als Vorbild gilt Brasilien, wo es gelungen ist, einst brach liegende Flächen in eine Landschaft zu verwandeln, in der 70 Prozent von Brasiliens Ernteerträgen angebaut werden. Dennoch gibt es einen breiten Konsens, dass die Kleinbauern Afrikas Weg in die Zukunft sind.
Was viele Gemeinschaften brauchen, ist ein Schutz gegen Preisschwankungen und Ernteausfälle angesichts des Klimawandels. Eine wichtige Frage ist daher, wie man einerseits kleinbäuerliche landwirtschaftliche Förderung und andererseits soziale Sicherung im urbanen Raum  entwickeln kann.

Kapitel 5: Hunger und Unterernährung in Krisen

Die Sicherung der Ernährung war lange Zeit die einzige humanitäre Antwort auf Krisen. Nur kam diese Hilfe oft zu spät und auf die falsche Art und Weise. Ein Großteil der Lebensmittelhilfe kam von den Spendern direkt als Sachleistung und traf verspätet ein. Hilfe, die auf Unterernährung zielte, beschränkte sich auf die Lieferung von zusätzlicher Nahrung. Zwar werden Krisen inzwischen in einer standardisierten Form bewertet, was zu verlässlicheren Daten führt, doch bleibt die Interpretation dieser Daten eine Herausforderung. In den letzten fünf Jahren wurden zahlreiche Versuche unternommen, um die Nahrungsmittelsicherheit zu verbessern und auf Hungersnöte zu reagieren. Heute kann man Hunger-Krisen begegnen, indem man die akuten Symptome der Lebensmittelknappheit bekämpft, sich speziell auf die Mangelernährung konzentriert oder versucht, den Menschen wieder eine Möglichkeit zu geben, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es gibt verschiedene Faktoren, welche die Nothilfemaßnahmen in Bezug auf Nahrungsmittelunsicherheit und Unterernährung beeinflussen. Das sind neben der Spenden-Praxis auch Fragen der Koordinierung und Transparenz, Informations-Defizite und Veränderungen im Nothilfekontext. Obwohl weniger Menschen in Krisen aufgrund von Nahrungsmittelunsicherheit und Unterernährung sterben, hat sich die Reaktion auf humanitäre Krisen nicht wie erwartet verbessert und eine genaue Auswertung ist in diesem Bereich überfällig.


Kapitel 6: Gemeinsam gegen den Hunger: Ein Manifest für den Wandel

Regierungen müssen Aktionspläne gegen Hunger und Unterernährung entwickeln. Das wäre gerade in den 20 Ländern dieser Welt wichtig, in denen 80 Prozent der Kinder durch Unterernährung in ihrem Wachstum gehemmt sind. Bargeldhilfen haben wahrscheinlich größere Auswirkungen als Nahrungsmittelhilfe, da dadurch Jobs und Einkommen entstehen können. Vor allem Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen sollten von diesen Hilfen profitieren. Regierungen sollten außerdem verstärkt auf Kreditgarantieprogramme, subventionierte Kredite und Stärkung des Bankwesens setzen.

Einfach die Ressourcen zu erhöhen reicht jedoch nicht aus. Durch Korruption und Verschwendung kommt es vor allem in der Landwirtschaft zu Verlusten. Es gibt heute einen weltweiten Konsens, dass Regierungen verstärkt in die Forschung investieren sollten. Auch die Frage der Gleichberechtigung ist ein Thema. In vielen Ländern der Welt gehen Regierungen einfach davon aus, dass es sich bei Bauern stets um Männer handelt.

Trotz jahrelanger Lobbyarbeit der NGOs scheint der Glauben der Spender, dass die Privatwirtschaft der Schlüssel zur Entwicklung der Landwirtschaft ist, unerschütterlich. Problematisch sind auch die massiven Subventionen, welche  die EU, Japan und die USA zur Unterstützung der eigenen Landwirtschaft leisten.

Es wurde inzwischen erkannt, dass Hunger und Unterernährung besser überwacht werden müssen. In manchen Ländern weisen lokale Erhebungen darauf hin, dass die Daten der FAO bezüglich der hungernden Bevölkerung um ein Drittel zu niedrig angesetzt sind. Die Welt braucht frei zugängliche Daten hinsichtlich Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt.

2. Teil: Die humanitären Herausforderungen der Zukunft meistern: Chancen und Schwierigkeiten

Drei große humanitäre Krisen in den Jahren 2010 und 2011 könnten bei den Hilfsorganisationen zu signifikanten Veränderungen führen: das Erdbeben auf Haiti, die Flut-Katastrophe in Pakistan und das Erdbeben und der Tsunami in Japan.

Haiti offenbarte systemische Schwächen bei der Entwicklungszusammenarbeit, der Regierungsführung, der Katastrophenvorsorge und der Nothilfe. Das Erdbeben in Japan vom 11. März 2011, hat der internationalen Gemeinschaft erneut gezeigt, wie verwundbar Menschen gegenüber Naturgewalten sind. Der ausgelöste Tsunami und seine Auswirkungen führten zu einem nuklearen Zwischenfall.

Dieses Kapitel zeigt, dass die Vorbereitung auf Katastrophen und die Verringerung von Risiken wichtige Teile der humanitären Hilfe sein müssen, wenn wir die Folgen der "Haitis der Zukunft" mindern wollen. Das vergangene Jahrzehnt wurde Zeuge wichtiger Reformbemühungen der humanitären Hilfe der UN und des ganzen Systems, doch noch wichtiger erscheinen die Reformen, die nicht stattgefunden haben.

Auf der Tagesordnung stehen weiterhin mindestens sieben wichtige Punkte: effektive Hilfe für die Hilfsbedürftigen, Hilfsmaßnahmen, die an den Bedürfnissen orientiert sind, lokale und nationale Kapazitäten ausbauen, Katastrophenvorsorge, Qualitätssicherung und Transparenz, Koordinierung, Zugang und Schutz.

Ansprechpartner
DRK-Pressestelle

Stephanie Krone
Tel. 030 85404 161
krones@drk.de

22. September 2011. Alter: 243 Tage
 

Spendenkonto
41 41 41

Bank f. Sozialwirtschaft
BLZ 370 205 00


Häufige Spenderfragen


DRK-Spenderservice
Postfach 450 259
12172 Berlin

E-Mail: spenderservice@DRK.de

DZI-Spendensiegel

Folgen Sie dem DRK!

Facebook Twitter Youtube
RSS Blog Flickr