Zum Internationalen Tag der Vermissten: Schutz vor dem Verschwindenlassen
Am 30. August, dem Internationalen Tag der Vermissten, wird an das Schicksal der unzähligen Menschen erinnert, die in Folge bewaffneter und politisch motivierter Gewalt weltweit verschwunden sind. Schwerpunktland der internationalen Suchdienstarbeit des Deutschen Roten Kreuzes ist derzeit Afghanistan. In Afghanistan wird die humanitäre Krisenlage noch durch große wirtschaftliche Not verschärft: Viele Regionen des Landes müssen zusätzliche Katastrophen meistern, die durch jahrelange Trockenheit und gleichzeitige Flut- und Überschwemmungskatastrophen ausgelöst werden.
Tamina* ist Afghanin. Sie spricht Farsi, die Amtssprache Afghanistans, die in Europa zumeist als persisch bezeichnet wird. Es ist zwei Jahre her, dass sie das erste Mal mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann aus ihrer Heimat fliehen musste.
Die Familie suchte damals, 2010, erfolglos Zuflucht in Dänemark. Schon nach kurzer Zeit sollte die ganze Familie wieder abgeschoben werden. Dies konnte eine der beiden minderjährigen Töchter nicht verkraften: Sie versuchte, sich das Leben zu nehmen. Zum Glück misslang der Suizidversuch - Tamina musste jedoch zusammen mit ihrem Mann und der zweiten Tochter nach Afghanistan zurückkehren, ohne etwas über das weitere Schicksal ihrer zurückgelassenen Tochter zu wissen. Zurück in Afghanistan folgte der nächste Schlag: Ihr Mann wurde entführt. Von ihm fehlt jede Nachricht, jede Spur. Tamina muss heute davon ausgehen, dass er nicht mehr am Leben ist.
Nach der Entführung des Ehemannes flüchtete sie erneut nach Europa und gelangte diesmal nach Deutschland. Die Sorge um ihre Tochter ließ Tamina keine Ruhe und sie suchte Hilfe. Der DRK-Suchdienst konnte ihre Tochter außergewöhnlich schnell in Dänemark ausfindig machen. Keine 48 Stunden nach dem Eingang der Suchanfrage konnte der Mutter nach zwei Jahren Ungewissheit die erhoffte Nachricht übermittelt werden: Ihre Tochter war am Leben und befand sich noch immer in Dänemark. Der Verbleib von Taminas Ehemann jedoch ist weiterhin ungeklärt. Heute wohnt Tamina in einer Kleinstadt im Westen Deutschlands.
Die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung nimmt über ihr weltweites Suchdienstnetzwerk bestehend aus 188 nationalen Gesellschaften und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz jedes Jahr mehrere Tausend Suchanträge nach vermissten Personen entgegen. Angehörige, die in Deutschland leben, wenden sich mit ihrem Suchanliegen an den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes, unabhängig davon in welchem Land der Welt sich die vermisste Person aufhalten könnte.
Mehr über die Arbeit des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes finden Sie hier: DRK-Suchdienst.de
*Name von der Redaktion geändert







