Haiti: Regen, Schutt und Hoffnung

André Hemping-Bovenkerk im Gespräch mit einem Patienten in der DRK-Gesundheitsstation: „Es ist gut zu sehen, wie viele Menschen aus so vielen Nationen gemeinsam etwas bewirken können. Gerade das macht die Situation für Helfer erträglich.“

Klinik für einen Tag: Mit DRK-Jeep, Medikamenten, Untersuchungs- und Behandlungsutensilien ist das mobile Rotkreuz-Team gerade im Camp angekommen, um die Menschen zu versorgen. Morgen ist ein anderes Camp an der Reihe.

„Die Katastrophe hat die Hauptstadt Haitis und damit viele Organisationsstrukturen zerstört. Für die weitere Hilfe fehlt Platz, den man sonst in ländlicheren Gegenden schnell findet. Aber nicht in einer dicht bevölkerten Millionenstadt“ sagt der Anästhesist André Hemping-Bovenkerk, der eigentlich im St. Franziskus Hospital Münster arbeitet.
„Die Angst vor neuen Erdbeben ist immer noch groß und mit Beginn der Regenzeit kommt eine neue Gefahr hinzu“, sagt André Hemping-Bovenkerk. Der Anästhesist ist seit über vier Wochen für das Deutsche Rote Kreuz in Haiti und erzählt über die Situation vor Ort.
„Jeder freie Platz, der nicht von Trümmern bedeckt ist, wurde zu einem notdürftigen Camp umfunktioniert. Und die Zahl der Camps nimmt nicht ab, sondern gerade jetzt wieder zu“, beschreibt André Hemping-Bovenkerk, Teamleiter der DRK-Basis-Gesundheitsstation, die Situation in Port-au-Prince. „Aufgrund des beginnenden Regens verlassen viele Menschen die größeren Camps, um in kleinen Camps nahe ihrer alten Häuser zu leben.“
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Die Gefahr aus den Wolken
Beschädigte Häuser drohen unter der Wasserlast während der Regenperiode zusammen zu brechen. Port-au-Prince ist bei starken Regenfällen besonders gefährdet, denn die Hanglage der Stadt führt dazu, dass sich der Unrat aus den Straßen der höher gelegenen Stadtteile im Tal sammelt. Dort befindet sich der Slum der Hauptstadt, die „Cité de soleil“ – zu deutsch „Sonnenstadt“. „Der Name, der einem Reiseprospekt entstammen könnte, täuscht darüber hinweg, dass es sich hier um eines der schlimmsten und am dichtesten besiedelten Armutsviertel der Welt handelt“, sagt André Hemping-Bovenkerk. Der drei- bis viermal wöchentlich, hauptsächlich abends einsetzende Regen verschlimmert die Situation im Armutsviertel. „Viele Menschen leben immer noch in Zelten oder unter Plastikplanen und können aufgrund des Regens nicht schlafen, da sie ihr Hab und Gut vor den oberflächlich ablaufenden Wassermassen schützen und um die Dinge Angst haben müssen, die ihnen geblieben sind.“
Das Leben geht weiter
„Und trotzdem kehrt immer mehr Leben in die Straßen und auf die Plätze zurück“, sagt André Hemping-Bovenkerk. Die Menschen beginnen die Ruinen abzutragen und mit dem Wiederaufbau zu beginnen. „Vieles hat sich bereits verändert in den Wochen, in denen ich hier bin, und die Hilfe des Roten Kreuzes aus über 35 Nationen hat viel erreicht“, fasst der Anästhesist zusammen.
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Mobile Kliniken und Hygieneaufklärung
„Neben einer Basis-Gesundheitsstation, in der wir täglich zwischen 100 und 150 Patienten behandeln, fahren wir gemeinsam mit haitianischen Ärzten und Krankenschwestern in die Camps und versorgen die Menschen direkt vor Ort. Jeden Tag sehen wir neue Menschen und neue Schicksale.“
„In unseren mobilen Kliniken behandeln wir Atemwegs-, Haut oder Durchfallerkrankungen. Insgesamt versorgt unser sechsköpfiges Team etwa 1.300 Menschen pro Woche.“ Patienten mit schwerwiegenden Krankheiten überweisen die mobilen Rotkreuzhelfer an eines der örtlichen Krankenhäuser oder an das Feldospital des Deutschen Roten Kreuzes in Carrefour. „Die Haitianer, die wir behandeln, sind meistens sehr höflich und zurückhaltend und doch merkt man ihnen an, wie dankbar sie für die Hilfe sind, die wir ihnen täglich bringen“, sagt der DRK-Helfer.
Viele Menschen leben unter schlechten hygienischen Bedingungen und erkranken. Deshalb nutzen André Hemping-Bovenkerk und seine Kollegen die Wartezeit der Patienten, um den Menschen Wissen rund um Hygiene und Gesundheit zu vermitteln. Gesang und einfache Spiele helfen dabei.
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Neue Herausforderungen
„Trotz der beginnenden Regenzeit ziehen sich viele Organisationen leider mehr und mehr aus Port au Prince zurück oder verlagern ihre Tätigkeiten in das Umland“, erzählt André Hemping-Bovenkerk. „So entstehen in bereits versorgten Stadtgebieten wieder Versorgungslücken, die vom örtlichen Gesundheitssystem noch nicht wieder aufgefangen werden können.“ Zudem ist die Gefahr auch nach der Regenzeit nicht vorüber, denn dann beginnt die Zeit der Tropenstürme.
Einige Monate nach einer Katastrophe beginnt beim Roten Kreuz eigentlich die Phase, in der Hilfsprojekte an örtliche Kräfte oder Behörden übergeben werden. Weil das Erdbeben Haitis Hauptstadt und damit zentrale Organisations- und Verwaltungsstrukturen schwer getroffen hat, ist das in dem armen Karibikstaat kaum möglich. Der Einsatz in Haiti wird länger dauern: Und bereits jetzt steht fest, dass das Deutsche Rote Kreuz dank der Spendengelder seine Hilfe auch in den kommenden Jahren fortsetzen kann.
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