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Melitta Stauffenberg überprüft die
elektrischen Leitungen, Gatow (Berlin) Juni 1943

Melitta Gräfin Stauffenberg wirft einen
Blick zur Maschine, Gatow (Berlin) Juni 1943
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Herkunft
Melitta Gräfin Schenk von Stauffenberg, geb. Schiller, wurde am 3. Januar
1903 in Krotoschin (Westpreußen) geboren. Ihr Vater Michael Schiller war
Baurat und stammte aus einer jüdischen Pelzgroßhandelsfamilie. Ihre Mutter
war Margarete Eberstein. Melitta hatte vier Geschwister: Marie-Luise,
Otto, Jutta und Klara.
Ausbildung
Melitta Gräfin Stauffenberg besuchte bis 1918 die Städtische Höhere
Mädchenschule in Krotoschin, anschließend für ein Jahr das
Mädchengymnasium in Posen. Da das Gebiet nach dem Versailler Vertrag Polen
zufiel und daraufhin keine deutsche Höhere Schulbildung mehr angeboten
wurde, ging sie von 1919 bis zum Abitur 1922 auf das Gymnasium in
Hirschberg (Schlesien).
Schon im Alter von 16 Jahren zeigte sie ein großes Interesse an Physik und
Aerodynamik. Als 19jährige meldete sie sich als erste Frau für eine
Segelflug-ausbildung an. In München studierte sie an der Technischen
Hochschule Mathematik, Physik und Flugmechanik. 1927 erwarb sie einen
Abschluß als Ingenieurin.
Ihre Begeisterung für die Fliegerei stieß jedoch auf gesellschaftliche
Grenzen, so war sie gezwungen, ihr Ziel auf Umwegen zu erreichen. Die
notwendigen Flugstunden absolvierte sie auf zweifelhaften Maschinen und
bei unsicheren Wetterbedingungen. Für ihre leidenschaftlichen Ambitionen
wurde sie immer wieder kritisiert, und für eine Weile wurde es ihr
überhaupt verboten zu fliegen. Trotz dieser Widerstände gelang es ihr,
alle bestehenden Flugscheine zu erwerben.
Wirken
Als Ingenieurflugzeugführerin arbeitete sie ab 1927 für die Deutsche
Versuchs-anstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin-Adlershof.
Viel Beachtung fanden auch ihre Kunstflüge in einer Heinkel He-70, die sie
bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 absolvierte.
Nach neunjähriger Tätigkeit in Berlin-Adlershof wurde Melitta Gräfin
Stauffenberg 1936 gezwungen, ihre Anstellung bei der Luftwaffe aufzugeben.
Seit der Machtübernahme durch Hitler war es Juden nicht erlaubt,
Positionen im öffentlichen Dienst zu behalten. Ihr Großvater
väterlicherseits war jüdisch gewesen, und obwohl ihr Vater bereits als
18jähriger zum protestantischen Glauben konvertiert war, galt sie unter
den nationalsozialistischen Gesetzen als jüdisch. Sie stellte gemeinsam
mit zwei Geschwistern einen Antrag auf "Gleichstellung mit arischen
Personen".
Während sie auf die notwendigen Dokumente wartete, wurde sie zu den
Askania Werken in Berlin-Friedenau versetzt, ein Unternehmen für die
Entwicklung und Herstellung von Luftfahrtinstrumenten und -geräten. Dort
befaßte sich Gräfin Stauffenberg vornehmlich mit der Verbesserung von
Bombenzielgeräten und der Entwicklung eines Sturzflugvisiers für
Sturzkampfbomber.
Im Jahre 1937 erhielt sie als zweite Frau in Deutschland den Rang einer
Flugkapitänin (wohl ehrenhalber). Trotz ihrer herausragenden Fähigkeiten
als Ingenieurin und Fliegerin beschrieben Freunde Melitta Gräfin
Stauffenberg als bescheiden. So namhaften Fliegerinnen wie Hanna Reitsch
stand sie an Können in nichts nach. Ihrer Rolle als Vorreiterin für die
Emanzipation der deutschen Frauen war sie sich durchaus bewußt.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wollte die DRK-Helferin ihre
Fähigkeiten in den Dienst des Roten Kreuzes stellen, doch das
Luftfahrtsministerium bestand darauf, daß sie ihre Arbeit an der
Entwicklung von Fluginstrumenten und ihre Testflüge auf
Sturzkampflugzeugen fortsetzte.
So wurde sie am 24. Oktober 1939 zunächst zur Erprobungsstelle der
Luftwaffe Rechlin dienstverpflichtet, um verschiedene Sturzflugvisiere für
das bekannte Sturzkampfflugzeug (Stuka) Junker 87 und die ebenfalls
sturzflugfähige zweimotorige Ju 88 zu erproben. Zum 1. Februar 1942 wurde
sie schließlich zur Technischen Akademie der Luftwaffe (TAL) in
Berlin-Gatow abkommandiert.
Seit 1939 absolvierte sie unter enormen physischen und psychischen
Belastungen mehr als 15 Testflüge pro Tag, vor allem in der als schwierig
geltenden Ju-88. Bis Ende 1943 konnte sie über 2000 Flüge mit der Stuka
vorweisen, mehr als irgendein anderer deutscher Pilot. Aufgrund der
Bedeutung ihrer Arbeit wurden sie und ihre Familie schließlich "arischen
Personen" gleichgestellt, wodurch ihre Deportation ins Konzentrationslager
verhindert wurde.
Gräfin Stauffenberg erhielt 1943 als vierte Frau das Eiserne Kreuz II.
Klasse und das Goldene Pilotenabzeichen der Luftwaffe. Im Jahre 1943 und
1944 wurde sie für das Eiserne Kreuz I. Klasse nominiert.
Im Mai/Juni 1944 wurde sie von Oberst Claus Stauffenberg, mit dessen
Bruder Alexander sie verheiratet war, gebeten, ihn zum "Hauptquartier des
Führers" und wieder zurück nach Berlin zu fliegen. In seine Pläne weihte
er sie ein. Ohne zu zögern, war sie bereit ihm zu helfen. Allerdings stand
ihr nur eine langsame Maschine des Typs Fieseler "Storch" zur Verfügung,
welche eine Landung während des Rückflugs zum Auftanken erfordert und ihre
Verhaftung sehr wahrscheinlich gemacht hätte.
Das Attentat am 20. Juli 1944 erfolgte schließlich doch ohne ihre
Mithilfe. Nachdem der Putschversuch fehl geschlagen war, wurden sie und
ihr Mann in Sippenhaft genommen. Melitta Gräfin Stauffenberg wurde sechs
Wochen später, am 2. September 1944, aufgrund kriegswichtiger Aufgaben aus
der Haft entlassen. Schon bald nahm sie ihre Forschungstätigkeit wieder
auf. Ihr Mann und ihre Schwägerinnen wurden dagegen bis Kriegsende in
verschiedenen Konzentrationslagern und Gefängnissen festgehalten, so z.B.
in Buchenwald. Gräfin Stauffenberg besuchte ihre Familienangehörigen so
oft sie konnte; ihre Tätigkeit als Testpilotin diente mittlerweile nur
noch als Vorwand, um ihnen zu helfen.
Als Melitta Schiller Stauffenberg am 8. April 1945 Richtung Bayerischer
Wald flog, um ihren Mann aufzusuchen, der in das Konzentrationslager
Schönberg verlegt worden war, wurde sie von einem amerikanischen
Jagdflugzeug zwei km östlich von Strasskirchen in Niederbayern von hinten
abgeschossen. Es gelang ihr noch, das Flugzeug zu landen. Zwei Stunden
später erlag sie ihren Schußverletzungen. Sie wurde nur 42 Jahre alt.
Familie
Im Sommer 1937 heiratete sie den Althistoriker Prof. Dr. Alexander Schenk,
Graf von Stauffenberg, den Bruder von Oberst Claus Stauffenberg. Die Ehe
blieb kinderlos.
Quellen und Literatur
Peter Hoffmann: Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder,
Stuttgart 1992 (2. Auflage).
Gerhard Bracke: Melitta Gräfin Stauffenberg. Das Leben einer Fliegerin,
Frankfurt/M., Berlin München 1993.
Peter Hoffmann, Carol Anne Hale: Stauffenberg, Melitta Schiller in:
Amazons to Fighter Pilots. A Biographical Dictionary of Military Women.
Bd. 2: R-Z, hg. von Reina Pennington, Westport 2003, 416-418.
Petra Liebner (2003)
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